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Geschäftsbericht 2016 I 2017

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Geschäftsbericht 2016 I 2017

Geschäftsbericht 2016/2017 I Steuerberater-Verband e.V. Köln I Berufspolitische Entwicklungen BERUFSPOLITISCHE ENTWICKLUNGEN Berufspolitische Entwicklungen Steuerberater-Verband e.V. Köln Akademie für Steuer- und Wirtschaftsrecht Der Markt für steuerberatende und wirtschaftsprüfende Dienstleistungen ist aktuell umkämpfter denn je. Die Anzahl der Steuerberater ist in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen. Zum 01.01.2017 waren 95.800 Steuerberater als Mitglieder bei den Steuerberaterkammern registriert; das ist ein Plus von ca. 1.900 Beratern über zwei Jahre. Korrespondierend dazu wächst die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in den Kanzleien. Unsere im September 2016 abgeschlossene Gehalts- und Praxiskostenumfrage, die wir im Zweijahresrhythmus durchführen, zeigte, dass allein bei den Teilnehmern unserer Befragung insgesamt rund 130 neue (Teilzeit-)Stellen geschaffen worden sind. Trotz leichten Rückgangs bei den Vollzeitstellen verbleibt unter dem Strich ein deutlich positiver Saldo. Bezogen auf alle Freien Berufe in Deutschland lässt sich sagen, dass jeder zehnte sozialversicherungspflichtig Beschäftigte Mitglied in einem Freiberuflerteam ist. Umso weniger nachvollziehbar ist es, dass die Europäische Kommission dennoch ohne Unterlass an den freiberuflichen Grundfesten rüttelt. In den vergangenen zwölf Monaten lag das Hauptaugenmerk unserer berufspolitischen Arbeit auf der Abwehr der von der Binnenmarktstrategie der Europäischen Kommission ausgehenden Bedrohungen der Freiberuflichkeit der steuerberatenden Berufe. Die Kommission hatte Richtlinienvorschläge zur Einführung einer Verhältnismäßigkeitsprüfung und zur Festlegung eines Notifizierungsverfahrens sowie Legislativvorschläge zur Einführung einer elektronischen Dienstleistungskarte vorgelegt. Wäre es nach der Kommission gegangen, hätte künftig kein Mitgliedsstaat mehr Berufsregulierungen neu einführen oder ändern dürfen, ohne die EU-Kommission zu befragen. Dabei hätte der Kommission das Recht zugestanden, nationale Rechtsetzungsverfahren zu unterbrechen oder bereits bestehende Regulierungen aufzuheben, falls sie diese für unvereinbar mit der EU-Dienstleistungsrichtlinie gehalten hätte. Dies hätte wohl auch das Ende der nationalen Selbstverwaltung eingeläutet. Der Kampf gegen diesen überbordenden Zentralismus hat viel Zeit und Kraft in Anspruch genommen. Die Spitzenvertreter der Berufsverbände und insbesondere Präsident Elster haben in sehr vielen Gesprächen mit Spitzenpolitikern aus Berlin und Brüssel umfangreiche Überzeugungsarbeit leisten müssen. Letztlich konnten diese konkreten Bedrohungen wohl erfolgreich abgewehrt werden. Ein Erfolgsrezept von Freiberuflern dürfte unter anderem darin liegen, dass sie es trotz der Anstrengungen der Alltagsarbeit nicht versäumen, den Blick in die Zukunft zu richten. Schon aufgrund der gewachsenen Zahl zugelassener Berufsangehöriger nimmt die Zahl der potenziellen Neumandate pro Kanzlei zwangsläufig ab. Verstärkt wird dieser Effekt dadurch, dass die Unternehmensgründungen in Deutschland in den vergangenen zehn Jahren kontinuierlich zurückgegangen sind. So hat sich das Berufsbild fast zwangsläufig erweitern und wandeln müssen: Steuerberater müssen ihren Klienten heute weitaus mehr bieten als „nur“ deklaratorische Tätigkeiten oder die Beratung in Steuerangelegenheiten. Zwar liefern Finanzbuchhaltung und Abschlusserstellung nach wie vor und über alle Jahre hinweg mehr als die Hälfte des Gesamthonorarumsatzes, wie unsere Gehalts- und Praxiskostenumfrage im vergangenen Jahr erneut bestätigte. Natürlich werden diese Dienstleistungen und auch Lohn- und Gehaltsabrechnungen sowie Steuerdeklarationen auch weiterhin eine wichtige Rolle im Leistungsangebot von Steuerberatern spielen. Aber der Anteil sonstiger Einkunftsquellen am Gesamthonoraraufkommen ist stetig gestiegen. Zum einen der Anteil aus Fachberaterleistungen; hier konnte im Laufe dieses Jahres die 2.000 Anerkennungsurkunde feierlich überreicht werden. Zum anderen der Anteil der Einkünfte aus betriebswirtlicher Beratung. Einer Umfrage zufolge haben 88 % der kleinen Kanzleien Beratungsleistungen für betriebswirtschaftliche Fragen in ihrem Portfolio. Dieses Angebot wird aber nur von rund der Hälfte ihrer Mandanten in Anspruch genommen. Vielen Unternehmern ist gar nicht bewusst, dass ihnen ihr Steuerberater auch in Form von betriebswirtschaftlicher Beratung weiterhelfen kann. Für die Beraterschaft ist das ein bislang ungenutztes Potenzial – und damit gleichzeitig eines der wichtigsten Geschäftsfelder von morgen, das es mit zukunftsgerichteter Beratung zu erschließen gilt. 08

Berufspolitische Entwicklungen I Steuerberater-Verband e.V. Köln I Geschäftsbericht 2016/2017 Steuerberater-Verband e.V. Köln Hier bietet sich dem Berufsangehörigen die Möglichkeit, aktiv auf seine Mandanten zuzugehen, denn nur 65 % der Mandanten besprechen die BWA regelmäßig mit ihrem Steuerberater. Dieser könnte z.B. aus der „Standard-BWA“ gemeinsam mit dem Mandanten eine unternehmensindividuelle Auswertung erarbeiten. Diese könnte z.B. Umsatz- und Wareneinkaufskonten gesondert als Roherträge ausweisen und daher zum monatlichen Plan-Ist-Vergleich des jeweiligen Betriebs herangezogen werden. Aufgrund der vertrauensvollen, teils über Jahre gewachsenen Geschäftsbeziehung zueinander kennt der Steuerberater alle wichtigen Wirtschaftsdaten eines Unternehmens, das er betreut. Wenn er alle Kennzahlen geschickt verknüpft, strukturiert und erklärt, kann das die Basis für eine sehr effektive betriebswirtschaftliche Beratung sein. Die Digitalisierung schreitet quer durch alle Branchen der Wirtschaft immer weiter voran und gehört beinahe überall längst zum Alltag. Jedoch tauschen Steuerberater nach wie vor zu über 90 % Originalbelege mit ihren Mandanten aus und wickeln den Austausch von Auswertungen überwiegend per Post ab. Vor allem kleine Kanzleien müssen – zwingend – darauf achten, dem aktuellen Stand der Technik nicht hinterher zu hinken. Andernfalls droht der Schritt in die digitale Zukunft immer größer zu werden, zumal die gegenwärtig noch relativ stetige Entwicklung in naher Zukunft an Tempo und Dynamik gewinnen könnte. „...Meine Mitgliedschaft im Steuerberater-Verband war für meine Berufstätigkeit immer sehr wichtig...“ StBin Margret Krabbe, Bonn Akademie für Steuer- und Wirtschaftsrecht 09

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