Aufrufe
vor 9 Monaten

VerbandsNachrichten 1 I 2019

  • Text
  • Koeln
  • Steuerberater
  • Verbandsnachrichten
VerbandsNachrichten 1 I 2019

VerbandsNachrichten 1/2019 I Aus dem Verbandsleben Büro des DStV mit der Bundessteuerberaterkammer (BStBK) in Brüssel einzurichten und es personell so auszustatten, dass auch die spezifischen deutschen Belange auf europäischer Ebene verdeutlicht werden können. Zugenommen – und das geht wiederum auf eine Initiative von Präsident Elster zurück – hat in den vergangenen Jahren auch die Interessenvertretung des DStV und seiner Mitgliedsverbände für die Kolleginnen und Kollegen, die zugleich Wirtschaftsprüfer oder vereidigte Buchprüfer sind. Der DStV führt nunmehr, wie viele seiner Mitgliedsverbände, die Unterzeile „Verband der steuerberatenden und wirtschaftsprüfenden Berufe“. Wie sieht es mit den Landes- und Regionalverbänden aus? Was hat sich hier verändert? Die Landes- und Regionalverbände haben eine traditionell sehr starke Stellung im DStV. Sie sind es auch, die den unmittelbaren Kontakt zu den Steuerberaterinnen und Steuerberatern vor Ort pflegen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt hier natürlich auf der laufenden Fortbildung der Berufsangehörigen und ihrer Mitarbeiter durch qualitativ hochwertige und trotzdem erschwingliche Seminarangebote. Der DStV als Dachverband kümmert sich in erster Linie um die Interessenvertretung und das politische Lobbying in Berlin und Brüssel sowie um Kontakte auf Bundes- und Europaebene. Daneben gibt es einige wenige Gebiete, auf denen er bzw. sein Fachinstitut (DStI) fortbildend tätig wird. Das umfasst z.B. Lehrgänge und Pflichtfortbildungen für die Fachberater (DStV e.V.). Durch eine mit absoluten Experten, darunter vielen Steuerberatern und Rechtsanwälten besetzte Geschäftsstelle und ein gutes Netzwerk ist der DStV imstande, auch schwierigste fachliche Fragen zu klären und erfüllt somit eine wichtige unterstützende Funktion gegenüber den Mitgliedsverbänden und deren Mitgliedern. Außerdem ist er oft koordinierend tätig, wenn es um die Entwicklung neuer Angebote der Verbände (z.B. neuer Formen der Online-Kommunikation) geht. Und welche Entwicklungen hat der Berufsstand in den letzten Jahrzehnten durchlaufen? Der Berufsstand hat sich immer weiter professionalisiert. Das gilt in fachlicher Hinsicht, aber auch in technischer und organisatorischer. Permanente Fortbildung ist eine Selbstverständlichkeit für Verbandsmitglieder. In Sachen Informationstechnologie sind sie gut aufgestellt. Viele von ihnen betreiben auch ein außerordentlich gutes Kanzleimanagement, wofür der DStV sicher auch Anstöße gegeben hat. Was sind aus Ihrer Sicht die Herausforderungen der Zukunft? Digitalisierung, Digitalisierung, Digitalisierung! Die Digitalisierung wird den steuerberatenden Beruf meines Erachtens nachhaltiger verändern als vieles, was wir in der Vergangenheit gesehen haben. Selbst die ständigen und nach meiner Meinung gemeinwohlschädlichen, weil übertriebenen Deregulierungsinitiativen der Europäischen Kommission dürften dahinter zurückstehen. Wie andere Berufe und Branchen auch werden sich Steuerberater umstellen und fortentwickeln müssen. Vorbehaltsaufgaben, so wichtig sie auch sein mögen, geraten unter den Druck der Digitalisierung, weil sich die schematische Anwendung von (Steuer-)Recht immer schwerer von einer Rechts- oder Steuerrechts-Dienstleistung abgrenzen lässt. Traditionelle Erfolgsmodelle verlieren an Bedeutung, neue Chancen tun sich auf. Schon heute gestaltet sich das Besteuerungs-, Veranlagungsund Betriebsprüfungsverfahren zunehmend digital. Das Vordringen neuer Technologien wie Cloud- und Mobile-Computing, Big Data, künstlicher Intelligenz oder Blockchain wird aber zu weiteren, tiefgreifenden Änderungen führen. Die Erwartungen der Mandanten werden sich verändern. Digitale Datenübertragung, permanenter Datenzugriff, automatisierte Datenverarbeitung und Datenanalyse in Echtzeit mit dem Ziel der kontinuierlichen Entscheidungsunterstützung rücken in den Vordergrund. Hierbei werden sich Steuerberater einer zunehmenden Konkurrenz durch Nicht-Steuerberater, insbesondere großer Digital-Konzerne und kleiner Start-ups, aber auch der Finanzwirtschaft, gegenübergestellt sehen. Dies erfordert eine Strategie für die Gestaltung digitaler Prozesse im Verbund zwischen Mandant und Steuerberater, ein deutliches Mehr an IT-Kenntnissen und neue Formen der Zusammenarbeit und der Kommunikation. Dabei wird der Steuerberater noch näher an die unternehmerischen Prozesse heranrücken, um seiner Beraterrolle noch direkter nachzukommen. Dabei sehe ich neben der gewiss zunehmenden betriebswirtschaftlichen Beratung gerade auch die steuerliche Beratung als einen entscheidenden Zukunftsfaktor und Wettbewerbsvorteil der steuerberatenden Berufe, – als eine Art Schlüsselfunktion, mit der sie auch in Zukunft gegenüber ihren Mandanten punkten können. Die Erläuterung komplizierter steuerlicher Sachverhalte gegenüber der Geschäftsleitung, die Entwicklung von Verfahrensdokumentationen und die Schaffung von Tax Compliance Systemen, die Ausarbeitung steuerlicher Strategien und die Überwachung der steuerlichen Prozessabläufe beim Mandanten werden an Bedeutung deutlich zunehmen. Schließlich werden Steuerberater vermehrt an der Entwicklung neuer – auch digitaler – Geschäftsmodelle für die Mandanten mitwirken. 18

Aus dem Verbandsleben I VerbandsNachrichten 1/2019 Dabei steht für mich fest: Wenn sich Steuerberater auf diese neue Situation einlassen, werden sie ihre Position behaupten. Sie sind persönlich ansprechbar, genießen das Vertrauen ihrer Mandanten und verfügen über das maßgebliche, unerlässliche Fachwissen, um individuell beraten zu können. Wichtig ist, dass sie den erforderlichen Wandlungsprozess beherzt und optimistisch angehen. Die DStV-Verbände werden dabei an ihrer Seite stehen. Sie haben sich vor kurzem in einem Beitrag sehr pointiert zu dem Thema Steuern und Ethik geäußert. Können Sie uns hierzu Ihre Haltung skizzieren? Vertrauen ist etwas, das im Leben allgemein, aber auch im Wirtschaftsleben, einen großen Wert besitzt. Leider haben Vorfälle wie die Panama- oder Paradise-Papers Diskussionen in Gang gebracht, die zwar an einem relevanten Thema ansetzen, einer gerechten Steuergesetzgebung und Besteuerungspraxis nämlich, die aber – zum Teil aufgrund von Fehlinformationen und Fehlinterpretationen – auch das Vertrauen in die Rolle der steuerberatenden Berufe in Mitleidenschaft gezogen haben. Leider leisten manche Politiker und Institutionen, die sich selbst Rechenschaft darüber ablegen sollten, was sie durch aktives Handeln oder Unterlassen zur Entstehung solcher Phänomene beigetragen haben, dem Vorschub, indem sie die steuerberatenden Berufe pauschal an den Pranger stellen und sie unter Generalverdacht stellen – vielleicht auch, um von eigener Verantwortung abzulenken. Ein solches Verhalten wirft ethische Fragen auf. Andererseits sollten auch Steuerberater sich mit ethischen Fragen auseinandersetzen. Schließlich lebt ein Vertrauensberuf wie der des Steuerberaters von dem Vertrauen, welches in ihn gesetzt wird. Ethische Verantwortung bindet einen Beruf umso mehr, je höher das Ansehen ist, welches er in den Augen des Gesetzgebers und in der Öffentlichkeit genießt. Viele setzen sich bereits sehr intensiv mit ethischen Fragen auseinander, wobei es mitunter ganz alltägliche Dinge sind, um die es dabei geht. Eine innere Haltung zu solchen Themen zu entwickeln, tut jedem gut, sie in Gemeinschaft mit anderen zu schärfen, hilft zusätzlich. Insofern sollten ethische Themen auch in der Ausbildung eine wichtige Rolle spielen; dies gewinnt angesichts der erwähnten Technologiesprünge noch einmal zusätzlich an Bedeutung. Nicht alles, was erlaubt ist, ist legitim. Nicht alles, was technisch möglich ist, darf geschehen. Sich hierüber bewusst zu werden, ist eine wichtige Voraussetzung für eine lebenswerte Zukunft. Wie sind Ihre persönlichen Pläne für die kommenden Jahre? Ich blicke mit einem guten Gefühl zurück, aber auch mit einem guten Gefühl nach vorn. Nach 34 Jahren beim DStV, in denen einiges geschafft wurde, ist für mich der richtige Zeitpunkt gekommen, Verantwortung abzugeben und sie in Abstimmung mit dem Präsidium einer neuen, jüngeren Generation anzuvertrauen. Ich freue mich auf mehr Zeit für meine Familie und für persönliche Interessen, und ich bin allen Kolleginnen und Kollegen im Deutschen Steuerberaterverband und seinen Mitgliedsorganisationen dankbar für die tolle Unterstützung, die mir in meinem Amt stets zuteil geworden ist. Natürlich werde ich dem Berufstand und seinen Themen verbunden bleiben; auch meine Hochschularbeit werde ich noch eine Weile fortsetzen, um mich nicht ganz auf das Rosenzüchten zu verlegen. Trotzdem werde ich mich nun sicher ein wenig aus der Szene zurückziehen – das gebietet schon der Respekt vor den jüngeren Kollegen, die von nun an die Verantwortung tragen. Wenn der liebe Gott mir und meiner Frau Gesundheit schenkt, werden Sie uns aber gewiss hier und da noch wiedersehen. Denn Menschen, mit denen man viele Jahre gut zusammengearbeitet hat, möchte man nie ganz aus dem Auge verlieren. Präsident Elster und Prof. Dr. Pestke 19

Publikationen