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VerbandsNachrichten 2 I 2017

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VerbandsNachrichten 2 I 2017

VerbandsNachrichten 2/2017 I Sonstige Berufspolitik Ausblick Obwohl sowohl der Begriff als auch die dahintersteckende Technik noch sehr jung sind, prägt Big Data bereits heute die technologische Entwicklung. Daten lügen nicht. Diese Erkenntnis ist nicht neu. Nur gab es bisher weder die umfassende Masse an Daten noch die Fähigkeit diese flexibel und schnell auswerten zu können. Mit Big Data werden sich Geschäftsmodelle verändern und neue entstehen lassen. Weiteres Produktivitäts- und Qualitätspotential wird sich entfalten können. Big Data ist eine neutrale Technologie, weder gut noch schlecht. Sie lässt sich aber wie alle anderen Technologien sowohl für gute wie auch für böse Zwecke verwenden. Eine gewisse Skepsis und Zurückhaltung ist daher angebracht. Das gilt insbesondere für die Hergabe eigener Daten. Aufhalten lässt sich damit die Entwicklung aber nicht. An vielen Stellen lassen sich Daten gar nicht zurückhalten: Banküberweisungen und andere finanzielle Transaktionen, Kommunikationsdaten, medizinische Daten wie z.B. Blutwerte, Daten, die von Arbeitnehmern im Rahmen ihres Dienstverhältnisses erzeugt werden, usw. Wir müssen den Institutionen vertrauen, dass unsere Daten nicht missbraucht werden. Genutzt werden sie aber gleichwohl. Hier bedarf es in Zukunft großer Anstrengungen in der Gesetzgebung und Verwaltung, um klare Grenzen zu ziehen, was geht und was tabu zu sein hat. Während Big Data bereits allgegenwärtig ist, bleiben unsere produktiven Prozesse in den Kanzleien davon weitestgehend verschont. Gleichwohl wird aber erkennbar, welche Sprengkraft diese Technologie besitzt. Findige Kanzleiinhaber werden diese zu nutzen wissen. Interview mit Dr. Robert Mayr, Vorstandsvorsitzender der DATEV eG Druck der unmittelbaren Gewinnmaximierung steht. Außerdem befinden wir uns in hochspannenden Zeiten: Die digitale Transformation bringt weitreichende Änderungen mit sich. Wir haben in diesem Umfeld bei DATEV eine Menge zu tun, schließlich wollen wir das optimale Rüstzeug entwickeln, um den Steuerberatern den anstehenden digitalen Wandel zu erleichtern. Dr. Robert Mayr Seit April 2016 leitet Dr. Robert Mayr als Vorstandsvorsitzender die Geschicke der DATEV eG. Im Interview geht es um sein erstes Jahr an der Spitze der Genossenschaft und über die Herausforderungen für den Berufsstand. Herr Mayr, Sie sind seit einem Jahr der Vorstandsvorsitzende der DATEV. Was macht für Sie den Reiz des Amtes aus? An der Spitze eines Unternehmens zu stehen, bei dem langfristiger Erfolg und Nachhaltigkeit im Mittelpunkt stehen, ist für mich eine erfüllende Aufgabe. Ich bin überzeugt, dass sich im Wirtschaftsmodell der Genossenschaft für die Mitglieder mehr erreichen lässt als in einem Unternehmen, das stets unter dem Was sind die schwersten Bürden, die Ihr Amt mit sich bringt, und was erleichtert Ihnen den Alltag? Für die DATEV selbst ist die Digitalisierung nichts Neues. Im Kern beschäftigen wir uns seit 51 Jahren mit nichts anderem. Der digitale Wandel wird in Zukunft aber auch disruptive Entwicklungen mit sich bringen. Daher gilt es, unsere Organisation daran auszurichten, Grundsatzentscheidungen zu treffen und richtungsweisende Konzepte zu entwickeln. Das ist natürlich eine herausfordernde Aufgabe, aber ich muss sie ja nicht auf mich allein gestellt bewältigen. Im DATEV-Vorstand sind wir ein gutes Team, in dem wir über konstruktive Diskussionen zu einer gemeinschaftlichen Entscheidungsfindung kommen. Dies gilt auch für die Geschäftsleitung. Außerdem besteht die DATEV aus über 7.000 kreativen Köpfen, von deren Ideen das Unternehmen lebt und auf deren Meinung ich großen Wert lege. Ich schätze eine flache Hierarchie und möchte, dass die Mitarbeiter auf Augenhöhe miteinander kommunizieren. „DATEV besteht aus über 7.000 kreativen Köpfen, auf deren Meinung ich großen Wert lege“ 44

Sonstige Berufspolitik I VerbandsNachrichten 2/2017 Kurz nach Ihrem Amtsantritt haben Sie neue strategische Leitplanken für die DATEV ausgerufen. Was sind die Eckpunkte der neuen Strategie? Das Kernelement unserer Zukunftsüberlegungen bildet die digitale Transformation betriebswirtschaftlicher Prozesse. Diese wollen und müssen wir vorantreiben. Gelingen kann das nur, wenn wir die Genossenschaft selbst wie auch unsere Mitglieder und deren Mandanten rechtzeitig auf den einhergehenden Wandel vorbereiten. Die Voraussetzung dafür ist, dass wir gemeinsam mit unseren Mitgliedern analysieren, welche Herausforderungen durch die digitale Transformation vor allem im Bereich der betriebswirtschaftlichen und deklaratorischen Prozesse entstehen. Mit den unter „DATEV 2025“ zusammengefassten strategischen Handlungsfeldern werden wir uns auf die Herausforderungen der absehbaren Zukunft vorbereiten. Maßgeblich wird sie von vier wichtigen Eckpfeilern getragen. Zunächst setzen wir auf die konsequente Weiterentwicklung der Cloud-Lösungen als Basis für einen schnellen, reibungslosen Informationsaustauch. Ein weiterer Punkt ist die Automatisierung und durchgängige Verknüpfung von digitalisierten Prozessschritten. Essentiell erscheint uns auch die Nutzung von Big Data-Technologien, um aus der Analyse der im DATEV-Rechenzentrum vorhandenen Daten einen Mehrwert für die Mitglieder zu schaffen. Außerdem halten wir eine verstärkte Öffnung und Integrationsfähigkeit unserer Lösungen für notwendig, um weitere heterogene Systeme, Datenquellen und Prozesse medienbruchfrei zu verbinden. Deshalb haben wir auch damit begonnen, ein Partner-Ökosystem aufzubauen, um branchen- und kundenspezifische, heterogene Softwarelösungen an die DATEV-Plattform anzubinden. „Die Nutzung von Big Data- Technologien ist essentiell, um einen Mehrwert für die Mitglieder zu schaffen“ Das klingt nach umfassenden Veränderungen. Weshalb sind diese nötig, obwohl das Geschäft der DATEV seit Jahren kontinuierlich sehr gut läuft? Ja, DATEV steht wirtschaftlich gut da. Aber unseren genossenschaftlichen Auftrag – die Förderung unserer Mitglieder – können wir nur erfüllen, wenn wir vorausschauend agieren. Die digitale Transformation bringt auch für den Berufsstand disruptive Veränderungen mit sich. Bei manchen Aufgaben wird die Automatisierung Einzug halten, etwa in der Finanzbuchhaltung oder in der Deklaration. Dadurch verschieben sich die Tätigkeitsprofile für die Berater wie auch für ihre Mitarbeiter, und es werden sich neue Prozesse herausbilden. Rund um die Buchführung verlieren erfassende Aufgaben bereits heute an Bedeutung – denken sie nur an das elektronische Belegbuchen. Der Tätigkeitsschwerpunkt wird sich aber in Zukunft noch viel weiter dahin verlagern, die Ergebnisse zu interpretieren, sie in Handlungsempfehlungen für den Mandanten zu übersetzen. Für die Mitarbeiter in den Kanzleien bedeutet das, dass sie vor allem aus dem vorhandenen Datenpool jeweils die Informationen herausfiltern müssen, die der Betrieb gerade benötigt. Über die zunehmende Automatisierung wird der Steuerberater bei den deklaratorischen Aufgaben Zeit gewinnen, die er in die betriebswirtschaftliche Beratung investieren kann. Dafür wird er auf eine breitere Datenbasis zurückgreifen können, die es ihm ermöglicht, viel aktiver bei der Steuerung des Betriebs zu unterstützen. Die Informationen aus den Mandantenbetrieben stehen ihm dazu in Echtzeit zur Verfügung, während er von verwaltenden Tätigkeiten entlastet wird. „Der Steuerberater gewinnt Zeit bei der Deklaration, die er in die betriebswirtschaftliche Beratung investieren kann.“ Was bedeutet das konkret für die Kanzleien und wie kann die DATEV ihnen helfen? Für die Kanzleien ergeben sich in diesem Umfeld hervorragende Chancen, ihr Geschäft auszubauen – mit einer kleinen Einschränkung: Sie müssen den digitalen Paradigmenwechsel annehmen. Dazu ist der Wille zur Veränderung vonnöten. Im Gegenzug gilt: Wer sich dagegen entscheidet, die Möglichkeiten der Digitalisierung zu nutzen, wird seine Wettbewerbsposition schwächen. Die DATEV versteht sich als digitaler Wegbereiter und -begleiter des steuerberatenden Berufsstands und wird die digitale Transformation im Sinne der Mitglieder nutzen und mitgestalten. Wir entwickeln Geschäftsideen und Geschäftsmodelle für die Kanzlei der Zukunft und werden diese gemeinsam mit den Berufsträgern durchdenken und erproben. Einen immens wichtigen Baustein sehe ich in der Entwicklung von Lösungen, die schnell große Datenmengen verarbeiten und analysieren können, um den Beratern jederzeit die benötigte Information zur Verfügung zu stellen. Das bedingt dann wohl auch eine ganze Reihe neuer Programme. Was tut die DATEV, um sicher zu sein, dass bei der Ausgestaltung ihrer Angebote auch die Wünsche der Mitglieder im Mittelpunkt stehen? Wir haben über die Jahre eine Reihe von Möglichkeiten für unsere Anwender geschaffen, sich bei der Konzeption und Weiterentwicklung der DATEV-Lösungen zu beteiligen. Regelmäßig finden Maßnahmen wie Benutzerlabore, Diskussionen in Fokusgruppen oder Befragungen zu den Programmen statt. Auf diese Weise bekommen wir einen guten Überblick, welche 45

Publikationen

Seminar- und Veranstaltungsübersicht 02 I 2020
Steuerberaterlehrgang 2020
Steuerfachwirtprüfung - Vorbereitungslehrgang auf die Qualifikationsprüfung
Vorbereitungslehrgang auf die Prüfung zum/zur Steuerfachangestellten