Aufrufe
vor 1 Jahr

VerbandsNachrichten 2 I 2018

  • Text
  • Koeln
  • Verbandsnachrichten
  • Steuerberater
VerbandsNachrichten 2 I 2018

VerbandsNachrichten 2/2018 I Sonstige Berufspolitik SONSTIGE BERUFSPOLITIK Steuerbürger-Plattform – eine große Chance für Steuerberater und DATEV Dr. Robert Mayr, Vorstandsvorsitzender der DATEV eG Zusatzgeschäft für die Berater Dadurch gewinnen die Anwender, aber auch die Berater, für die neue Mandatsbeziehungen entstehen können: Indem der DATEV-Steuerberater nur einen Klick entfernt ist, sinkt bei den potenziellen Neumandanten die Hemmschwelle für die Kontaktaufnahme. Über einen angebundenen Steuerberater-Suchdienst, in dem die Mitglieder ihr Profil hinterlegen können, werden sie passgenau von den Steuerpflichtigen gefunden. Der Portalansatz erleichtert Steuerpflichtigen und Beratern die Kontaktaufnahme, die Abwicklung und vor allem die eigentliche Beratungsleistung, weil alle notwendigen Daten bereits digital erfasst sind. Diese Vorteile im Workflow steigern für die Kanzleien die Attraktivität entsprechender Privatmandate und machen sie zugleich aus Kapazitätssicht flexibel steuerbar. Eine intelligente Prüfung der Daten vor der Übermittlung dient der Qualitätssicherung und vermeidet Haftungsfälle, da im System stets dokumentiert ist, welche Unterlagen wem zu welchem Zeitpunkt zur Verfügung standen. Insgesamt stärkt die Plattform die Position des Mitglieds, da es im Zusammenspiel mit der Technik recht einfach den Steuerpflichtigen unterstützen kann. Seit einigen Monaten wird in der Fachöffentlichkeit intensiv darüber diskutiert, dass die DATEV plant, ein Online-Angebot zur Abwicklung von Steuererklärungen für Privatpersonen aufzubauen, das bei Bedarf – insbesondere bei komplexer werdenden steuerlichen Fragen – auch das Expertenwissen der steuerlichen Berater komfortabel anbindet. Das Angebot soll sich an die rund 13 Millionen Steuerpflichtigen in Deutschland richten, die nach DATEV-Erkenntnissen noch nicht steuerlich beraten werden. Erstmalig möchten wir als IT-Dienstleister des steuerberatenden Berufsstands damit eine Lösung anbieten, die für Privatpersonen konzipiert ist. Zum Nutzen der Mitglieder will die Genossenschaft die Vorteile einer Plattform zur Einkommensteuerdeklaration mit einem einfachen Zugang zum Expertenwissen der steuerlichen Berater kombinieren. Ziel ist, dem Steuerpflichtigen nicht nur eine einfach handhabbare Lösung an die Hand zu geben, sondern ihn bei der Eingabe komplexerer Sachverhalte aktiv auf bestehende Beratungsmöglichkeiten hinzuweisen. Aus Sicht der DATEV ist die Einführung einer solchen Plattform unumgänglich, um auch in den kommenden Jahren ihren Auftrag weiter vollumfänglich erfüllen zu können, die Mitglieder wie die Genossenschaft selbst in Zeiten der digitalen Transformation auf Zukunftskurs zu halten. Zum Förderauftrag der DATEV gehört es, Marktentwicklungen zu beobachten, zu analysieren und hinsichtlich Chancen und Risiken für die Mitglieder zu bewerten. Genau das hat sie getan und sieht nun die Notwendigkeit, auf eine umwälzende Entwicklung zu reagieren, die auch den Markt der steuerlichen Beratung beeinflussen wird. Portale machen ein Umdenken notwendig Das dazu gehörige Schlagwort heißt „Plattformökonomie“: Es beschreibt den Umstand, dass sich Portale zunehmend zwischen Anbieter und Kunden schieben und einen Teil der wertschöpfenden Prozesse übernehmen. Der Dienstleister wird in diesem Prozess zum reinen Produzenten ohne Kontakt zum Kunden degradiert und in den Hintergrund gedrängt. Wie dramatisch solche Plattformen das Marktgeschehen verändern können, zeigt das Beispiel der Hotel- und Taxibranche eindringlich. Das Geschäftsfeld der steuerlichen Berater bildet in dieser allgemeinen Entwicklung keine Ausnahme. In jüngerer Zeit etablieren sich Portale, die den Prozess der einfachen Einkommensteuererklärung automatisieren. Banken bieten bereits erste Angebote zur Belegablage und sogar zu einer einfachen Steuerdeklaration an. 48

Sonstige Berufspolitik I VerbandsNachrichten 2/2018 Diese Angebote treffen auf ein sich veränderndes Nutzerverhalten. Gerade bei der jungen Generation, den „Digital Natives“ sind Portale beliebt. Die jungen Leute sind mit dem Internet aufgewachsen und werden künftig nicht nur ihre nächste Urlaubsreise darüber buchen, sondern auch in steuerlichen Fragen den Weg über das Web einschlagen. Einen Steuerberater anzurufen oder gar aufzusuchen dürfte plattform-konditionierten Internetnutzern auch dann nicht in den Sinn kommen, wenn sich Beratungsbedarf ergibt – etwa, wenn sich ihre Vermögens- oder Einkommensverhältnisse geändert haben. Genossenschaftsidee reloaded Für die einzelne Kanzlei ist es in diesem Portal-Umfeld sehr schwer, wahrgenommen zu werden. Gemeinsam können die Mitglieder aber viel bewegen. Wie die Geschichte der DATEV hervorragend belegt, besteht die Stärke der Genossenschaft seit ihrer Gründung darin, Herausforderungen zu meistern, die den Einzelnen an seine Grenzen bringen. Deshalb möchte DATEV der Entwicklung Rechnung tragen und selbst eine Plattform bauen und gestalten, die im Sinne der Genossenschaft den Mitgliedern neue Chancen und Zielgruppen erschließen. Sie sollen von der digitalen Transformation und von der Plattformökonomie profitieren können. Aus dem Risiko wird auf diese Weise eine Chance: Statt steuerliche Berater zu verdrängen, wie andere Plattformen das womöglich machen würden, möchte DATEV sie in den Mittelpunkt aller Überlegungen rücken. Eine Hürde steht diesen Plänen allerdings im Weg: Die gegenwärtige Satzung der DATEV lässt ein Engagement für die Zielgruppe nicht beratener Privatpersonen nicht zu. Damit die Genossenschaft die Pläne umsetzen kann, ist eine Satzungsänderung notwendig. Dabei drängt die Zeit – schließlich haben Mitbewerber bereits begonnen, ähnliche Angebote zu platzieren und den Markt zu besetzen. Um in diesem Umfeld Erfolg zu haben, ist es also wichtig, möglichst bald starten zu können. Im Februar dieses Jahres entschied eine außerordentliche Vertreterversammlung bereits über einen entsprechenden Änderungsvorschlag, der den Geschäftsbetrieb der Genossenschaft mit sonstigen Nichtmitgliedern regeln sollte. Der Antrag verfehlte mit rund 74 Prozent – um drei Stimmen – sehr knapp die nötige Dreiviertelmehrheit. Der DATEV-Vorstand versteht diesen großen Zuspruch als Auftrag, weiter für dieses zukunftssichernde Vorhaben zu werben und den Vorschlag weiterzuentwickeln. Deshalb möchten wir in der ordentlichen Vertreterversammlung Ende Juni einen auf Basis der Diskussionen überarbeiteten Änderungsvorschlag für die Satzung zur Abstimmung stellen, so dass noch bestehende Bedenken ausgeräumt und noch mehr Mitglieder überzeugt sind, dass es sich um eine große Chance für Steuerberater und DATEV handelt. Digitaler Finanzbericht beschleunigt Kreditverfahren Klaus Reichhart, DATEV eG Während sich das Online-Banking seit vielen Jahren sowohl im privaten wie im geschäftlichen Umfeld etabliert hat, war der Datenaustausch mit Banken und Sparkassen im Rahmen des Kreditvergabeprozesses für Steuerberater und Mandanten bisher noch sehr papierlastig. Die elektronisch erstellten Jahresabschlüsse und Einnahmenüberschussrechnungen (EÜR) wurden meist von den Kanzleien oder den Mandanten selbst in gedruckter Form oder als PDF an die Kreditinstitute weitergeleitet, wo die Daten dann manuell in die bank- bzw. sparkasseneigenen Analysesysteme eingetippt wurden. Das gehört nun bald ebenfalls der Vergangenheit an. Mit Hilfe des sogenannten Digitalen Finanzberichts (DiFin) werden die beschriebenen Medienbrüche künftig vermieden. Im Rahmen des neuen DiFin-Verfahrens wird ein bundesweit einheitlicher technischer Standard für die elektronische Übermittlung der Abschlussdaten von Firmenkunden an Banken und Sparkassen in Deutschland etabliert, das dem Verfahren bei der E-Bilanz ähnlich ist. Das Verfahren wurde in den vergangenen Monaten zusammen mit Steuerberatern und Wirtschaftsprüfern sowie ausgewählten Kreditinstituten getestet. Anfang März gab die Deutsche Bundesbank den Startschuss für die offizielle Marktfreigabe des DiFin zum 01. April 2018. DATEV-Software startklar für effizienteren Datenaustausch Kanzleien und Mandanten können seit April Jahresabschlüsse digital an Kreditinstitute, die bereits an dem Verfahren teilnehmen, übermitteln und damit den Kreditvergabeprozess beschleunigen sowie die Risikobeurteilung erleichtern. Auf Basis des aus dem E-Bilanz-Verfahren bewährten XBRL-Formats (EXtensible Business Reporting Language) lassen sich die Daten aus dem DiFin automatisch weiterverarbeiten. Damit verringert sich bei allen Beteiligten der administrative Aufwand und durch den Wegfall von potenziellen Fehlerquellen verbessert sich die Datenqualität. Die DATEV eG unterstützt als einer der ersten IT-Dienstleister Kanzleien und ihre Mandanten in dem DiFin-Verfahren mit dem Assistenten zur Abschlussdatenübermittlung an Banken im DATEV-Programm Kanzlei-Rechnungswesen. 49

Publikationen

Steuerberaterlehrgang 2020
Seminar- und Veranstaltungsübersicht 02 I 2020
Vorbereitungslehrgang 1 I 2020 auf die Prüfung zum/zur Steuerfachangestellten