Aufrufe
vor 2 Jahren

VerbandsNachrichten 3 I 2019

VerbandsNachrichten 3 I 2019

VerbandsNachrichten 3/2019 I Aus dem Verbandsleben 25. Rügener Steuerfachtage – Von den Anfängen bis heute Autor: Manfred Hofstede, HGF a.D. Wie kommt eigentlich der Steuerberater-Verband Köln nach Rügen? Im Jahre 1992 endete nach 16 Amtsjahren die Ära von Präsident Karl-Josef Bauer, und StB Helmut Schmitz übernahm als neuer, relativ junger Präsident die Spitze des Verbandes. Helmut Schmitz wollte neue Aktivitäten für den Verband entwickeln. Zur Erinnerung: die Wiedervereinigung war gerade zwei Jahre vorher vollzogen worden. Der Steuerberater-Verband Köln hatte in den 70-er Jahren recht erfolgreich Kollegenreisen im Zusammenhang mit einem Fortbildungsprogramm organisiert. Helmut Schmitz schwebte vor, diese Kollegenreisen wiederzubeleben. Anlässlich einer Vorstandssitzung im Sommer 1994 stand dieser Punkt auf der Tagesordnung. In der Sitzungspause zuvor schwärmte der damalige Schatzmeister des Verbandes, Artur Banten, in überschwänglichen Worten von einer Reise, die er kurz zuvor nach Rügen unternommen hatte und bei der er im „Cliff Hotel“ in Sellin, dem bekannten, während der DDR-Zeit der herrschenden Nomenklatura vorbehaltenen Hotel mit Fahrtstuhl zum Strand, logierte. Seine begeisternden Schilderungen schloss er mit der mehrfachen Aufforderung an seine Kolleginnen und Kollegen, unbedingt eine Rügen-Reise zu unternehmen. Als nach der Pause der Punkt „Wiederaufnahme von Kollegenreisen“ aufgerufen wurde, waren alle Mitglieder des Vorstandes von den in der Pause gehörten Schilderungen so begeistert, dass Vorschläge wie Lindau am Bodensee, Bad Kreuznach oder Bad Nauheim sofort abgetan wurden und sich spontan eine große Mehrheit für die Durchführung von „Rügener Steuerfachtagen“ entschied. Die Geschäftsführung wurde beauftragt, ein Konzept für die Rügener Steuerfachtage 1995 zu entwickeln. Das Cliff Hotel in Sellin war Anfang der 90-er Jahre das einzige Hotel auf Rügen, das in etwa westdeutschem Standard entsprach, und es hatte zudem den Vorteil, dass entsprechende Seminarräume zur Verfügung standen. Es hatte auch zu dem von uns gewünschten Zeitpunkt, nämlich unmittelbar vor der Hauptsaison, entsprechende Kapazitäten frei. So wurde das Cliff Hotel das erste Tagungshotel. Probleme gab es auch mit den Anreisemöglichkeiten nach Rügen: Die Bahnstrecke von Rostock nach Stralsund war nur eingleisig befahrbar und auf 60 Km/h Höchstgeschwindigkeit begrenzt. Eine A20 gab es nicht einmal in Ansätzen. Es gab nur die Autobahn Hamburg – Berlin mit einem Abzweig nach Rostock. Von Rostock ging es über die Dörfer auf schmalen Landstraßen. Der Rügendamm war die einzige Verbindung zwischen dem Festland und der Insel; er war jedoch pro Stunde 20 Minuten wegen einer Drehbrücke über den Strelasund geschlossen. Den historischen Rügendamm kann man heute von der neuen Brücke aus noch besichtigen. Es gab zwar eine Zugverbindung von Aachen über Köln bis nach Binz. Hier war man jedoch länger als 12 Stunden unterwegs, und von Binz musste man auch erst einmal nach Sellin kommen, denn auf ganz Rügen gab es nur ein Taxiunternehmen mit zwei Autos. Das Cliff Hotel bei Sellin liegt auf einer Halbinsel, die zu DDR- Zeiten gegenüber der übrigen Bevölkerung abgesperrt war. Das Hotel war unter dem Motto gebaut: es ist das Hotel für unsere oberste Führung, Wirtschaftlichkeit spielt keine Rolle. So gab es in dem Hotel einen Frühstücksraum, in dem 300 Gäste zur gleichen Zeit frühstücken konnten. Das Hotel hatte eine Schwimmhalle mit 6-Bahnen in Olympianorm, die kein Mensch normalerweise unterhalten kann. Aufgrund der Abgeschiedenheit des Hotels, bis zur Ortsmitte von Sellin musste man ca. eine halbe Stunde Fußweg einkalkulieren, musste neben dem Tagungsprogramm zur Unterhaltung der Begleitpersonen auch ein Rahmenprogramm entwickelt werden. Dies war leichter gesagt als getan: Das Tagungsprogramm stand relativ schnell. Der damalige Studienleiter, Gustav Wrenger, wurde beauftragt, ein dreitägiges Seminar inhaltlich von donnerstags bis samstags zu konzipieren. Probleme machte aber die Infrastruktur. Die Gestaltung des Rahmenprogramms war auch nicht einfach: Am ersten Tag war eine große Inselrundfahrt, am zweiten Tag ein Ausflug in die Hansestadt Stralsund geplant. 1995 gab es auf Rügen aber nur zwei Busunternehmen und wir waren froh, für unsere Aktivitäten entsprechende Busse zu bekommen. Der erste Tag endete mit einem „Rügener Fischerabend“ im neu errichteten Dorfgasthof „Zur Linde“ in Middelhagen, am zweiten Abend gab es ein „Kanzler-Dinner“ in Binz. Was hatte es damit 18

Aus dem Verbandsleben I VerbandsNachrichten 3/2019 auf sich? Der ehemalige Bundeskanzler Helmut Kohl und der spanische Ministerpräsident Philippe Gonzales haben sich im Rahmen einer Wahlkampftournee zur Bundestagswahl 1994 im August in Binz getroffen. Kohl und Gonzales haben Ansprachen von der damals noch nicht renovierten Terrasse des Kurhauses Binz gehalten. Anschließend ist man mit dem ganzen Tross zu Fuß die Strandpromenade bis zur „Villa Salve“, einem neu eingerichteten Restaurant eines westdeutschen Gastwirtes gegangen und hat dort ein gemeinsames Mittagessen eingenommen. So lag es auf der Hand, dass wir als besonderen Punkt eines Rahmenprogramms das Kanzlerdinner in der „Villa Salve“ in Binz angeboten haben. Von Anfang an war es auch klar, dass der Kölner Verband allein eine solche Tagung nicht stemmen konnte; so wurde ein anschaulicher Prospekt entwickelt und deutschlandweit verteilt. Nicht nur unser Vorstandsmitglied Artur Banten hatte Rügen zu damaliger Zeit besucht, sondern auch unser damaliger Bundespräsidenten Richard von Weizäcker. Dieser prägte den Satz: „Rügen ist von einer Pracht, die in Deutschland nicht ihresgleichen findet.“ Mit diesem Motto und mit einem Bild der für Rügen typischen Kreidefelsen wurde die erste Einladungsbroschüre gestaltet. Der Prospekt war schließlich Anfang 1995 fertiggestellt und wurde in den einschlägigen Medien des Berufsstandes verteilt. Vom 29. Juni bis 01. Juli 1995 fanden dann erstmalig die Rügener Steuerfachtage im Cliff Hotel in Sellin statt. Das Programm war sehr umfangreich: Steuerstrafrecht mit Prof. Dr. Joecks, der aus Bonn kam, inzwischen an der Universität Greifswald lehrte, aber leider schon verstorben ist; Umsatzsteuer mit Prof. Dr. Lippross; Prof. Dr. Korth, Präsident des Kollegialverbandes Niedersachsen, sprach zu Rückstellungen und zur Betriebsaufspaltung; der Richter am BFH Dr. Peter Fischer, und unser damaliger Studienleiter Gustav Wrenger referierten zu ausgewählten Fragen der Vermögensnachfolge, und den Abschluss machte der Geschäftsführer des Berliner Kollegialverbandes, Wolfgang Wehmeier, zu Fragen der Praxisnachfolge. Unser damaliger Präsident Schmitz konnte zu jedem der drei Tage zwischen 90 und 110 Teilnehmer begrüßen. Die Teilnehmerzahl hat sich von Anfang an auf diesem hohen Niveau stabilisiert. Wie ging es weiter? Das Cliff Hotel in Sellin liegt – wie gesagt – auf einer Halbinsel abgeschnitten von Ortskernen. Die Qualität des Hotels geriet auch in die Kritik, so dass der Wunsch nach einem Ortswechsel immer deutlicher wurde. Schließlich wechselten die Rügener Steuerfachtage im Jahre 2002 nach Binz in das „Arkona Strandhotel“. Nun war man zwar mitten im Ort. Die Gestaltung eines umfassenden Begleitprogramms war nicht mehr notwendig. In Anbetracht von regelmäßig ca. 100 Teilnehmern, teilweise bis 120 Teilnehmern, waren die Räumlichkeiten des Hotels aber außerordentlich beengt. Das „Arkona Strandhotel“ ist kein ausgesprochenes Tagungshotel. Die Seminarräume waren nur durch eine Schiebewand vom Restaurant abgetrennt. Man konnte die Seminarräume nur durch den Frühstücksbereich erreichen. Unsere Aussteller standen dichtgedrängt in einem schmalen Flur vor dem Tagungsraum ohne Tageslicht und ohne jede Möglichkeit der Ausdehnung. Im Jahre 2015 gelang der Wechsel in das inzwischen renovierte Kurhaus in Binz. Zwar gibt es einen gewissen Nachteil, weil der Tagungsraum keine natürliche Lichtquelle hat, andererseits befindet sich der Tagungsbereich des Hotels in einem vom Hotel abgetrennten Seitenflügel mit ausreichendem Platzangebot und moderner Konferenztechnik. Die Teilnehmer sitzen in einem klimatisierten Raum an ordentlichen Tischen, auf denen die Ordner aufgeschlagen werden können und an denen man auch einmal den Stuhl rücken kann. Die Aussteller haben ausreichend Platz, um ihre Stände aufbauen zu können. In den Pausen stehen großzügige Kommunikationsflächen zur Verfügung. So schließt sich der Kreis: 25 mal Rügener Steuerfachtage nun in einem zufriedenstellenden Ambiente. Die Verkehrsanbindungen können inzwischen als hervorragend bezeichnet werden: Die A 20 ist fertig, wenn man auch manchmal Einschränkungen aufgrund von Baumängeln hinnehmen muss; der Anschluss nach Stralsund ist vierspurig ausgebaut; die Hochbrücke über den Strelasund ist fertig; der vierspurige Ausbau der Straße auf Rügen geht inzwischen fast bis nach Bergen, und von den Flughäfen Hamburg oder Berlin ist man mit dem Auto drei Stunden entfernt. Direkte Bahnverbindungen bestehen zwischen München, Köln, Karlsruhe, Frankfurt sowie Prag/Dresden nach Binz; von Köln aus dauert es ca. acht Stunden. Schaut man sich die diesjährigen Themen an, so muss man feststellen, dass sich gegenüber den ersten Rügener Steuerfachtagen von 1995 wenig verändert hat: Die Umsatzsteuer und die Unternehmensnachfolge sind nach wie vor die beherrschenden Themen. 19

Publikationen