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VerbandsNachrichten 3 I 2019

VerbandsNachrichten 3 I 2019

VerbandsNachrichten 3/2019 I Sonstige Berufspolitik SONSTIGE BERUFSPOLITIK DATEV schaltet Fax endgültig ab Zum 30. September 2019 schaltet die DATEV eG den Kommunikationskanal Fax ab. Die DATEV informiert wie folgt über die technischen Hintergründe, Konsequenzen und die Alternativen, die sich aus der Fax-Abschaltung ergeben: Faxgerät mit dem sogenannten T.38-Protokollstandard), eine Restunsicherheit bleibt allerdings bestehen; auch, weil der Sender nicht weiß, ob der Empfänger ebenso über diesen verbesserten T.38-Standard verfügt. Die Deutsche Telekom hat die Übertragungstechnologie von Faxen großteils bereits von ISDN auf den neuen Standard Voice over IP (VoIP) umgestellt. Die Umstellung erfolgte flächendeckend bereits zum Jahresende 2018. Einzelne Großkunden der Deutschen Telekom, wie DATEV einer ist, können die ISDN-Technologie noch bis Ende des Jahres 2019 nutzen. Bei der alten ISDN-Technologie wurden alle Informationen des Faxes kontinuierlich auf einem zuvor definierten, konstanten Übertragungsweg zum Empfänger übermittelt. Bei der neuen All-IP-Technologie allerdings werden alle Informationen des Faxes in verschiedene Pakete gepackt, die unterschiedliche Wege zum Empfänger nehmen. Für den Empfänger heißt das: Informationen können verloren gehen, so dass ein Fax nur unvollständig bei ihm ankommt oder die Übertragung ganz abbricht. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Fehler auftritt, steigt mit der Anzahl der übertragenen Seiten bzw. mit der Dauer der Verbindung immer weiter an. Auch wenn Sender und Empfänger unterschiedliche Provider nutzen, gilt eine sichere und vollständige Übertragung des Fax als unwahrscheinlich. Zwar gibt es auch technologische Möglichkeiten, die Übertragung zu verbessern (so zum Beispiel die Aufrüstung auf ein Die datenschutzkonforme und rechtssichere Übermittlung von sensiblen und vertraulichen Daten via Fax ist mit der Umstellung auf VoIP nicht mehr gewährleistet. Mehrere Datenschutzbehörden und IT-Sicherheitsexperten sowie selbst einige Provider warnen davor, Faxe weiterhin zu verwenden. Laut dem Bayerischen Landesbeauftragten für den Datenschutz kann eine Fehlzustellung, insbesondere bei der Übertragung von Telefaxen mit besonders schutzwürdigem Inhalt (sensible personenbezogenen Daten wie Sozial-, Steuer-, Personal- oder medizinischen Daten), gravierende Folgen für den Absender, Empfänger und Betroffene haben. Eine unverschlüsselte Datenübertragung sollte deshalb unterbleiben. Provider und Datenschützer empfehlen daher, unter anderem unter Verweis auf mögliche Verstöße gegen § 203 StGB Verletzung von Privatgeheimnissen, dringend, für den geschäftlichen Kommunikationsverkehr rechtssichere Alternativen zum Fax zu suchen. Die DATEV eG sieht sich daher im Interesse ihrer Mitglieder und deren Mandanten dazu gezwungen, die Kommunikation via Fax zum 30. September 2019 einzustellen. DATEV Jahrespressekonferenz Antonie Schweitzer, Köln Strategische Entwicklungen und Umsatzplus Anlässlich der diesjährigen Jahrespressekonferenz gab der Vorstandsvorsitzende der DATEV, Dr. Robert Mayr, einen umfassenden Überblick über die wesentlichen strategischen Entwicklungen des Unternehmens und über die Pläne für die kommenden Jahre. Anschließend erläuterte Finanzvorstand Diana Windmeißer die wirtschaftliche Situation des Unternehmens, das 2018 erstmals über eine Milliarde Umsatz gemacht hatte! Digitalisierungsindex und Branchenbarometer Seit der ersten Befragung vor zwei Jahren stieg der Digitalisierungsindex des Berufsstandes kontinuierlich und liegt aktuell mit 101,1 Punkten in einem Bereich, der „noch viel Potenzial offenbart“, erläuterte Dr. Robert Mayr eingangs. „Die Kanzleien gehen die Digitalisierungsaufgaben verstärkt an – und zwar an den Stellen, die auch große Hebelwirkung haben, wie z.B. der Umstellung des Rechnungseingangs“, so sein Resümee der aktuellen Situation. 46

Sonstige Berufspolitik I VerbandsNachrichten 3/2019 Dr. Robert Mayr berichtet über das erfolgreiche Geschäftsjahr der DATEV Das Branchenbarometer, das auf einer Skala von 0 bis 200 Punkten die aktuelle Selbsteinschätzung der Kanzleien zu Geschäftslage und -erwartungen abfragt, zeigte im März 2019 einen Anstieg um 3,3 Punkte auf einen neuen Höchstwert von 127,1 Punkten. Dabei stieg der Teilindex zur Bewertung der eigenen wirtschaftlichen Lage um 5,8 Punkte auf 141 Punkte an – ein deutliches Anzeichen für die Zufriedenheit des Berufsstandes. Um Anreize für die Digitalisierung der Kunden zu schaffen, wurde Anfang des Jahres das – kostenfrei erhältliche – Label „Digitale DATEV-Kanzlei“ eingeführt. Mittlerweile haben es über 500 Kanzleien erhalten, die sich hiermit als innovative Berater und attraktive Arbeitgeber bei Mandanten und Mitarbeitern positionieren können. Das Label dokumentiert die digitale Kompetenz der Kanzleien und grenzt sie vom Wettbewerb ab. Digitalisierung im Spannungsfeld der (Berufs-)Politik Im Spannungsfeld von Digitalisierung, Automatisierung und weiteren Treibern bereiteten ihm die Deregulierungsbestrebungen der Europäischen Union Sorgen, betonte der DATEV Vorstandsvorsitzende: „Die EU-Kommission ist gerade dabei, die Position des Steuerberaters als wichtigstem Ansprechpartner des deutschen Mittelstandes zu untergraben“. Die Vorbehaltsaufgaben in Frage zu stellen, ist aus seiner Sicht „eine fatale Entwicklung, gegen die wir uns entschieden zur Wehr setzen müssen. Denn wir brauchen den steuerberatenden Berufsstand mit seiner Qualifikation und Unabhängigkeit.“ Als Indikator für Qualität und Exzellenz sei der Steuerberater ein integraler Bestandteil der kaufmännischen Prozesse. Dr. Mayr kritisierte in diesem Zusammenhang auch die deutsche Verwaltung, die „trotz europäischer Standardisierung sogar unnötige, neue Komplexitäten aufbaut, beispielsweise durch unterschiedliche Interpretationen der Vorgaben“. Als Beispiel für „Inkonsequenzen bei der europaweiten digitalpolitischen Harmonierung“ führte er „sieben verschiedene Standards für digitale Rechnungen“ an, deren Komplexität zwar durch das DATEV Smart Transfer-Tool kaschiert werden könnte. Dies sei jedoch nicht im Sinne des Erfinders, denn eigentlich sollte Digitalisierung bei der Reduzierung von Komplexität helfen. Für ihn ein Indiz, dass es an der Schnittstelle zwischen Digitalisierung und Politik oder Berufspolitik hakt. Interne Umstrukturierungen „Fit für die Zukunft“ lautet das neue strategische Projekt der DATEV, das eine schnelle und flexible Reaktion auf sich ändernde Rahmenbedingungen und Anforderungen am Markt ermöglichen soll. Mit zunehmender Komplexität der Entwicklungen am Markt werde es immer schwieriger, langfristige Vorhersagen über Potenziale und Bedarfe zu treffen, berichtete Dr. Mayr. Daher werde eine Analyse und Transformation der zurzeit vorwiegend in Bereiche und Abteilungen aufgeteilten Organisation stattfinden. Durch den Einsatz agiler Methoden und abteilungsübergreifender Projekte konnte bereits ein gewisser Grad an Dynamik erreicht werden. Hilfreich war dabei ein in Teilbereichen neues Raumkonzept: „Activity Based Working“ soll es Mitarbeitern ermöglichen, aus einer Vielzahl zur Verfügung stehender Arbeitsplätze den für die Erfüllung ihrer Aufgaben geeigneten auszuwählen. Dabei stellte man fest, dass flexibel und interdisziplinär arbeitende Teams enorme Potenziale freisetzen können, um die Wertschöpfung zu sichern. „Silos schaffen wir ab, stattdessen etablieren wir klare Verantwortlichkeiten“, so das Resümee des DATEV-Vorstandsvorsitzenden. Einen „Big Bang“ werde es allerdings nicht geben, sondern eine Schritt-für-Schritt-Umsetzung in den nächsten eineinhalb Jahren. Die Plattformstrategie Das im letzten Jahr vorgestellte Plattformangebot für private Steuerpflichtige soll Anwendern zum Freigabetermin Anfang 2020 ermöglichen, ihre Einkommensteuer für 2019 zu deklarieren und vorbereitende Tätigkeiten für 2020 zu treffen. Aktuell 47

Publikationen

Online-Intensivlehrgang I/2020
Seminar- und Veranstaltungsübersicht 02 I 2020
Steuerberaterlehrgang 2020
Steuerfachwirtprüfung - Vorbereitungslehrgang auf die Qualifikationsprüfung
Vorbereitungslehrgang auf die Prüfung zum/zur Steuerfachangestellten