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VerbandsNachrichten 4 I 2017

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VerbandsNachrichten 4 I 2017

VerbandsNachrichten 4/2017 I Aus der Arbeit von DStV und DStI AUS DER ARBEIT VON DStV UND DStI 40. Deutscher und 7. Europäischer Steuerberatertag Von Antonie Schweitzer Einen Rekordzulauf mit mehr als 1.600 Teilnehmern verzeichnete der 40. Deutsche und 7. Europäische Steuerberatertag: Kompakte Fortbildung zu aktuellen Themen des Berufsstandes mit renommierten Referenten. Anspruchsvolle Seminare, Workshops und Vorträge standen auf der Agenda und hatten großen Zulauf. Der hochkarätige Fachkongress im Maritim Hotel Berlin hatte in diesem Jahr ein sehr aktuelles Schwerpunktthema: „Den digitalen Wandel gestalten“. Zahlreiche Vorträge und Workshops boten den Teilnehmern Gelegenheit, sich über die Auswirkungen und Konsequenzen, aber auch die Vorteile des digitalen Wandels zu informieren und darüber zu diskutieren. Die große Fachausstellung machte die Berufsangehörigen zudem mit den neuesten IT-Lösungen für den Kanzleialltag vertraut. Die Digitalisierung als Megatrend, der sowohl Berater als auch ihre Klienten einem umfassenden Strukturwechsel unterzieht, sprach – wie bereits im Vorjahr – auch viele junge Steuerberater an. Am Morgen des 09. Oktober begrüßte StB WP Harald Elster, Präsident des Deutschen Steuerberaterverbandes e.V. (DStV), zahlreiche Ehrengäste, darunter: den Parlamentarischen Staatssekretär, Dr. Michael Meister; die Abgeordneten des Deutschen Bundestages, Lothar Binding und Margaret Horb; den Präsidenten des Bundesfinanzhofes, Prof. Dr. h.c. Rudolf Mellinghoff; Reiner Holznagel, Bund der Steuerzahler; den Präsidenten der Bundessteuerberaterkammer, Dr. Raul Riedinger; den Präsidenten der Wirtschaftsprüferkammer, Gerhard Ziegler; und den Präsidenten der österreichischen Kammer der Wirtschaftstreuhänder, Klaus Hübner. Eröffnungsansprache des DStV-Präsidenten, StB WP Harald Elster „Keine überzogene Anzeigepflicht für Steuergestaltungen“, lautete die deutliche Forderung des DStV-Präsidenten in Richtung Gesetzgeber. Um Missverständnisse zu vermeiden, betonte er: „Der deutsche Steuerberaterverband erkennt an, dass Gestaltungsmodelle wie Cum-Ex oder Cum-Cum oder Steuervermeidungsstrategien à la Apple die Gleichmäßigkeit der Besteuerung in nicht hinnehmbarer Weise beeinträchtigen. Der Wunsch, die zugrundeliegenden rechtlichen Lücken frühzeitig zu erkennen, um sie zu schließen, erscheint daher grundsätzlich nachvollziehbar.“ Der Präsident stellte jedoch unmissverständlich klar, wo die 28

Aus der Arbeit von DStV und DStI I VerbandsNachrichten 4/2017 Präsident Elster forderte die Wahrung der Verschwiegenheitspflicht der Berufsangehörigen Grenzen liegen: „Eine Anzeigepflicht darf es nur geben, wenn sie rechtssicher sowie in den Kanzleien vollziehbar ist und die Verschwiegenheitspflicht des Beraters gewährleistet bleibt!“ Die EU nimmt, wie Elster erläuterte, nur die grenzüberschreitenden Gestaltungen in den Blick – mit einem derzeit noch zu unbestimmten Katalog an Sachverhalten. „Hier muss deutlich mehr Rechtssicherheit geschaffen werden“, forderte der Präsident. Darüber hinaus möchte der Bundesrat die Meldung nationaler Gestaltungen einführen, bemängelte Harald Elster und wies darauf hin, dass „99 Prozent der steuerberatenden und wirtschaftsprüfenden Berufe sowie Steuerpflichtigen nicht in kritische Modelle involviert sind“. Wegen weniger schwarzer Schafe dürfe nicht ein ganzer Berufsstand kriminalisiert werden. Zudem müsse der verfassungsrechtlich verbriefte Schutz des Vertrauensverhältnisses zwischen dem Mandanten und seinem Berater auch in Zukunft gewährleistet sein! Das zweite wichtige Thema der Ansprache des Präsidenten war die „Sicherung der Qualität der Steuerberatung auch auf europäischer Ebene“ durch die EU Kommission. Diese hat zu Beginn des Jahres ein sogenanntes „Binnenmarktpaket“ veröffentlicht, das die reglementierten Berufe, darunter die Steuerberater und die Wirtschaftsprüfer, in den Fokus nimmt. Durch die Einführung einer europäischen Dienstleistungskarte sollen grenzüberschreitende Beratungsleistungen erleichtert werden. Zudem soll eine Reform des Verfahrens neuer nationaler berufsrechtlicher Vorschriften erfolgen. Außerdem sollen neue Berufsrechtsvorschriften mithilfe eines verpflichtenden Analyserasters bereits im Vorfeld auf ihre Verhältnismäßigkeit geprüft werden. Diese für 2018 geplanten Maßnahmen schießen, wie Harald Elster betonte, über das Ziel hinaus; sie führen nicht zu weniger, sondern zu mehr Bürokratie. Seine eindeutige Forderung: „Was die Dienstleistungskarte angeht, muss die Entscheidung über die Erfüllung der Voraussetzungen und die Aufsicht über die Berufsangehörigen bei dem Staat verbleiben, in dem die Dienstleistung erbracht wird. Alles andere wäre eine Einführung des Herkunftslandprinzips durch die Hintertür!“ Die dritte Forderung des DStV-Präsidenten in seiner Eröffnungsansprache lautete: „Zurück zu guter Gesetzgebung“. Gegen Ende der letzten Legislaturperiode wurden, wie Harald Elster bemängelte, „grundlegende Anpassungen der Abgabenordnung an die EU-Datenschutzgrundverordnung im Schweinsgalopp durch den Deutschen Bundestag gejagt“. Sie wurden an das fachfremde Gesetzgebungsverfahren zur Änderung des Bundesversorgungsgesetzes gehängt. Statt des Finanzausschusses war der Ausschuss für Arbeit und Soziales federführend. Sachkundige parlamentarische Beratungen und die fachliche Expertise blieben auf der Strecke, so die nachdrückliche Kritik des DStV-Präsidenten. Diese Missachtung des Berufsstands sei nicht hinzunehmen: „Ein geordnetes Besteuerungsverfahren ist ohne unsere Mitwirkung nicht möglich!“, betonte Harald Elster und stellte klar: „Wir Steuerberater sind nicht Teil einer Steuervermeidungsindustrie, sondern gesetzlich verfasste, seriöse Organe der Steuerrechtspflege.“ „Wir Steuerberater sind nicht Teil einer Steuervermeidungsindustrie, sondern gesetzlich verfasste, seriöse Organe der Steuerrechtspflege.“ Harald Elster 29

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