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Verbandsnachrichten 4 I 2019

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VerbandsNachrichten

VerbandsNachrichten 4/2019 I Aus der Arbeit von DStV und DStI Moderne Ausbildungsordnung für Steuerfachangestellte im Fokus V.l.n.r.: StB/WP Christian Böke (Vizepräsident DStV), RA Dr. Enrico Rennebarth (Referatsleiter BStBK), StB Alexander Schüffner (Präsidiumsmitglied BStBK), Natasha Volodina (Referentin BFB), Joachim Lapp (Referent KWB), Christian Michel (Referatsleiter Recht und Berufsrecht des DStV) Eine attraktive und zukunftsgerichtete Ausbildung für Steuerfachangestellte – an diesem Ziel arbeitet der DStV aktuell zusammen mit der BStBK. Die beiden berufsständischen Spitzenorganisationen entwickeln dazu gemeinsam Eckpunkte für eine moderne Ausbildungsordnung für Steuerfachangestellte. Nach Ansicht des DStV muss es darum gehen, Bewährtes zu erhalten, wo es bereits heute gut funktioniert und Modernisierungen dort anzustoßen, wo sie in der Praxis sinnvoll sind. Unterstützt werden DStV und BStBK durch das Kuratorium der Deutschen Wirtschaft für Berufsbildung (KWB) und den Bundesverband der Freien Berufe (BFB). Derzeit befinden sich die Projektbeteiligten im Rahmen der gesetzlich vorgesehenen Sozialpartnerschaft in einem engen Austausch mit der zuständigen Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di. Getragen wird dieser Austausch von dem dringenden Wunsch des Berufsstands, möglichst schnell zu praxisgerechten Lösungen zu kommen und unnötige Verzögerungen im Verfahren zu vermeiden. Er hat daher angemahnt, sich bei der Modernisierung allein auf die fachlich tatsächlich gebotenen Aspekte zu konzentrieren. Dem sollten sich alle Seiten im Interesse der Auszubildenden und der ausbildenden Kanzleien verpflichtet fühlen. Den Fokus will der Berufsstand daher vor allem auf die digitalen Arbeitsprozesse in den Kanzleien und die Kommunikation mit den Mandanten legen. Die Abstimmung mit Ver.di ist Voraussetzung, um in einem nächsten Schritt in einem förmlichen Verfahren mit den Fachabteilungen der zuständigen Bundesministerien die Neuordnung der Ausbildungsordnung praxisgerecht voranbringen. Ziel von DStV und BStBK ist es, das förmliche Neuordnungsverfahren möglichst im kommenden Jahr abzuschließen, um ein Inkrafttreten der neuen Regelungen zum Ausbildungsjahr 2021 zu ermöglichen. Die aktuelle Ausbildungsordnung für Steuerfachangestellte stammt noch aus dem Jahr 1996. DStV fordert: Modernisierung der Berufsbildung – ja, aber richtig! Der DStV setzt sich intensiv für eine Modernisierung der beruflichen Bildung ein. Denn in Zeiten des Fachkräftemangels auch in der Steuerberatung ist es wichtig, den rechtlichen Rahmen für die ausbildenden Kanzleien praxisgerecht und zugleich attraktiv für die interessierten Jugendlichen zu gestalten. Die Regierungspläne versprechen dies bislang aber nur zum Teil. Mindestvergütung und Teilzeitausbildung Dabei ist der Entwurf der Bundesregierung für ein Gesetz zur Stärkung und Modernisierung der beruflichen Bildung (BBiMoG) vom 15.05.2019 durchaus ein Schritt in die richtige Richtung: Vorgesehen ist etwa eine Mindestvergütung für Auszubildende. Praxisgerecht ist auch die Möglichkeit, künftig eine Ausbildung 38

Aus der Arbeit von DStV und DStI I VerbandsNachrichten 4/2019 in Teilzeit absolvieren zu können. Dies erschließt den ausbildenden Kanzleien eine größere Zahl von Interessenten für die offenen Ausbildungsplätze, die heute im Zweifel unbesetzt bleiben würden. Der DStV ist sich sicher, dass mit der individuellen Flexibilisierung bei den Ausbildungszeiten einer größeren Zahl von Bewerberinnen und Bewerbern im Bedarfsfall die erforderliche Unterstützung erhält, damit sie parallel zu ihrer Ausbildung beispielsweise die Kinderbetreuung oder die Pflege von Angehörigen im notwendigen Umfang sicherstellen können, – eine Win-Win-Situation für Kanzleien und Auszubildende. Kritikpunkt Fortbildungsbezeichnungen Kritisch sind nach Ansicht des DStV hingegen die Pläne der Regierung zu sehen, neue Fortbildungsstufen bei der sog. höherqualifizierenden Berufsbildung vorzusehen. Sie sollen mit drei gänzlich neuen Fortbildungsbezeichnungen einhergehen: „geprüfter Berufsspezialist“, „Bachelor Professional“ und „Master Professional“. Die Bundesregierung ist der Ansicht, mit diesen Bezeichnungen die Attraktivität der beruflichen Bildung insgesamt zu erhöhen. Das sieht der DStV anders. Er weiß sich dabei nicht nur einig mit der BStBK, sondern wird in seiner Kritik auch durch den BFB unterstützt. Im Bereich der Steuerberatung existiert bekanntermaßen ein etabliertes und zugleich flexibles Fortbildungssystem, das sich in der Praxis bereits seit vielen Jahren bewährt hat: Angefangen bei den Prüfungen zu Fachassistenten Lohn und Gehalt auf der ersten Stufe, den Fortbildungen zu Steuerfachwirten auf der zweiten Stufe bis hin zur Steuerberaterprüfung auf der höchsten Stufe. Nach Ansicht des DStV kann es bei der Modernisierung der Berufsbildung daher nicht darauf ankommen, bestehende bekannte Fortbildungsbezeichnungen lediglich mit neuen Namen zu versehen. Noch dazu, wenn die geplanten Bezeichnungen geeignet sind, die Unterscheidbarkeit zu den akademischen Bachelor- und Masterabschlüssen, wie sie sich mittlerweile auch in Deutschland nach dem Bologna-Prozess etabliert haben, aufzuheben. Hier wissen sich der DStV und seine Mitgliedsverbände im Übrigen auch mit der Konferenz der Kultusminister der Länder (KMK) einig. Zudem verdeutlicht gerade der Blick in das Berufsrecht der Steuerberater die Durchlässigkeit zwischen akademischer und beruflicher Bildung in diesem Bereich, die es in dieser Form in keinem anderen Ausbildungsberuf in Deutschland gibt. Dieses bewährte System gilt es für die Steuerberatung zu erhalten. Der DStV befindet sich derzeit in einem intensiven Austausch mit den zuständigen Fachressorts sowie den Bildungspolitikern der Bundestagsfraktionen, um die Standpunkte der steuerberatenden und prüfenden Berufe in dieser wichtigen Zukunftsfrage deutlich zu machen. So fand etwa zuletzt ein Fachgespräch mit MdB Dr. Jens Brandenburg, Sprecher der FDP-Fraktion für die Bereiche Studium, berufliche Bildung und lebenslanges Lernen, statt, an dem für den DStV dessen Geschäftsführer Attila Gerhäuser sowie der Referatsleiter Recht und Berufsrecht RA Christian Michel teilnahmen. In einem nächsten Schritt wird im Oktober im Rahmen des Gesetzgebungsverfahrens des BBiMoG die öffentliche Anhörung im zuständigen Bundestagsausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung stattfinden. Der BFB hat den Bundestagsfraktionen hierzu auf Initiative des DStV als Sachverständigen StB/vBP Franz Plankermann als Vertreter der freien Berufe vorgeschlagen. Über die weiteren Entwicklungen werden wir berichten. V.l.n.r.: DStV-Referatsleiter RA Christian Michel, MdB Dr. Jens Brandenburg (FDP), DStV-Geschäftsführer Attila Gerhäuser 39

Publikationen

Seminar- und Veranstaltungsübersicht 02 I 2020
Steuerberaterlehrgang 2020
Steuerfachwirtprüfung - Vorbereitungslehrgang auf die Qualifikationsprüfung
Vorbereitungslehrgang auf die Prüfung zum/zur Steuerfachangestellten