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beraterdepesche 01 I 2021

beraterdepesche 01 I 2021

GESETZE UND VERORDNUNGEN

GESETZE UND VERORDNUNGEN www.stbverband-koeln.de/ stbdirekt Verlängerung der Frist zur Abgabe der Steuererklärungen 2019 Die Koalitionspartner haben am 17.12.2020 beschlossen, die Frist für die Abgabe der Steuererklärungen 2019 für beratene Fälle bis zum 31.08.2021 zu verlängern. Dies ist in Abstimmung mit dem Bundesfinanzminister erfolgt. BStBK und DStV hatten sich dafür seit Monaten eingesetzt, denn der Berufsstand ist seit Beginn der Coronakrise rund um die Uhr für seine Mandanten im Einsatz. Egal ob Beratungen zu Kurzarbeitergeld, KfW-Krediten, befristeten Umsatzsteuersenkungen oder Überbrückungshilfen. Zu all diesen Themen suchen die Mandanten Rat und Unterstützung ihres Steuerberaters. Inzwischen ist der Durchbruch gelungen. Die Frist ist bis zum 31.08.2021 verlängert worden. Die Berufsangehörigen können sich nun weiterhin mit voller Kraft für ihre Mandanten und deren wirtschaftliches Überleben einsetzen, ohne kostspielige Verspätungszuschläge zu riskieren. BERATERHINWEISE Zu beachten bleibt, dass weiterhin 15 Monate nach Ablauf des Kalenderjahres, in dem die Steuer entstanden ist, Nachzahlungszinsen drohen, § 233a AO. Zur Zinshöhe, § 238 AO, entschied der BFH (Beschl. v. 25.04.2018, IX B 21/18, BStBl II, 415, und v. 03.09.2018, VIII B 15/18, BFH/NV 2018, 1279), dass die Verfassungsgemäßheit ernstlich zweifelhaft sei. Entscheidungen des BVerfG (Az. 1 BvR 2237/14 betr. VZ ab 2009 und Az. 1 BvR 2422/17 betr. VZ ab 2012) stehen noch aus. Neuregelung für den Abzug der Aufwendungen im Homeoffice (JStG 2020) Jahres steu er ge setz 2020 (JStG 2020) Aufgrund der andauernden Coronakrise arbeiten Arbeitnehmer vermehrt im Homeoffice. Damit einhergehend stellt sich aus steuerlicher Sicht die Frage nach dem Eingreifen der in § 4 Abs. 5 S. 1 Nr. 6b EStG normierten Abzugsbeschränkung. Dabei scheitert ein Abzug der Homeoffice-Kosten ganz überwiegend an einem nicht vorhandenen häuslichen Arbeitszimmer i. S. der durch die Rechtsprechung herausgearbeiteten Definition. Denn diese qualifiziert bspw. ein Durchgangszimmer oder die klassische „Arbeitsecke“ nicht als häusliches Arbeitszimmer. Vor diesem Hintergrund wurde bereits in der öffentlichen Anhörung am 26.10.2020 zu dem von der Bundesregierung vor-

gelegten Entwurf eines Jahressteuergesetzes 2020 (JStG 2020) von Teilen der dort anwesenden Sachverständigen gefordert, die Vorschrift des § 4 Abs. 5 S. 1 Nr. 6b EStG an die aktuelle coronabedingte Arbeitssituation anzupassen. Die Koalitionspartner verständigten sich sodann auf eine Neuordnung der steuerlichen Berücksichtigung des häuslichen Arbeitszimmers. Hiernach soll eine Homeoffice-Pauschale von 5 € pro Arbeitstag im Homeoffice, begrenzt auf maximal 600 € jährlich (entspricht 120 Tage Homeoffice) eingeführt werden. Diese ist davon abhängig, dass der Steuerpflichtige seine gesamte betriebliche oder berufliche Tätigkeit ausschließlich in der häuslichen Wohnung ausgeübt hat. Sie hängt nicht von den üblichen Voraussetzungen für den Abzug von Kosten für ein häusliches Arbeitszimmer ab. BERATERHINWEISE Nachdem der Bundesrat dem JStG 2020 am 18.12. zugestimmt hat, ist es als JStG 2020 vom 21.12. am 28.12.2020 im BGBl. I 2020, 3096, veröffentlicht worden. Die Homeoffice-Pauschale geht in der geltenden Arbeitnehmer-Werbungskostenpauschale nach § 9a Satz 1 Nr. 1 Buchst. a EStG auf und wird nicht zusätzlich gewährt. Sie wird nur für die Tage gewährt, an denen der Steuerpflichtige keine andere betriebliche oder berufliche Arbeitsstätte aufsucht. Aus Sicht der Steuerpflichtigen stellt sich die Frage der Nachweisführung. Hier bleibt zu hoffen, dass Gesetzgeber und Finanzverwaltung eine „bürokatriefreundliche“ Regelung finden. Corona: Verlängerung der Antragsfrist für Überbrückungshilfe II bis 31.01.2021 und Gewährung der Überbrückungshilfe III www.dstv.de/ interessenvertretung/beruf/ beruf-aktuell/ www.bundesfinanzministerium.de Die Antragsfrist für die Überbrückungshilfe II wird bis zum 31.01.2021 verlängert. Ursprünglich war vorgesehen, dass die Anträge lediglich bis zum 31.12.2020 gestellt werden können. Anschließend sollen weitergehende Hilfen als sog. Überbrückungshilfe III bis Ende Juni 2021 gewährt werden. Dabei soll es weitere Verbesserungen geben (bspw. bei der Ansetzbarkeit von Ausgaben für Instandhaltung, Modernisierungsmaßnahmen oder auch Kosten für Abschreibungen). Bei der Höhe sind anstelle von bislang max. 50.000 € pro Monat künftig bis zu max. 200.000 € pro Monat Betriebskostenerstattung möglich. Zu den Fördermaßnahmen soll auch eine „Neustarthilfe für Soloselbständige“ gehören. Antragsberechtigt sind Soloselbständige, die im Rahmen der Überbrückungshilfen III keine Fixkosten geltend machen können und die ihr Einkommen im Referenzzeitraum (im Normalfall das Jahr 2019) zu mindestens 51% aus selbständiger Tätigkeit erzielt haben. Betroffene (z.B. aus dem Kunst- und Kulturbereich) sollen künftig eine einmalige Betriebskostenpauschale (= Neustarthilfe) in Höhe von 25% des Umsatzes (maximal 5.000 €) für den Zeitraum bis Ende Juni 2021 als steuerbaren Zuschuss erhalten. Die Betriebskostenpauschale wird gewährt, wenn der Umsatz des Soloselbständigen während der siebenmonatigen Laufzeit Dezember 2020 bis Juni 2021 im Vergleich zu einem siebenmonatigen Referenzumsatz 2019 um mehr als 50% zurückgegangen ist. Die Neustarthilfe ist aufgrund ihrer Zweckbindung nicht auf Leistungen der Grundsicherung anzurechnen. Es handelt sich um einen Zuschuss, der – wenn die Antragsvoraussetzungen vorliegen – nicht zurückzuzahlen ist. Die Neustarthilfe soll als Vorschuss ausgezahlt werden, auch wenn die konkreten Umsatzeinbußen während der Laufzeit Dezember 2020 bis Juni 2021 bei Antragstellung noch nicht feststehen. BERATERHINWEISE Die Überbrückungshilfe III, welche die sog. Neustarthilfe enthalten wird, soll ab dem 01.01.2021 gelten. Aufgrund der nötigen technischen Programmierungen und der Abstimmungen mit den Ländern und der EU-Kommission können die Anträge wohl erst einige Wochen nach Programmstart im neuen Jahr gestellt werden.

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