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Geschäftsbericht 2017 I 2018

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Geschäftsbericht 2017 I 2018

Geschäftsbericht 2017/2018 I Steuerberater-Verband e.V. Köln I Berufspolitische Entwicklungen BERUFSPOLITISCHE ENTWICKLUNGEN Berufspolitische Entwicklungen Steuerberater-Verband e.V. Köln Akademie für Steuer- und Wirtschaftsrecht Während sich der Berufsstand in technischer Hinsicht effizient weiter entwickelt und insbesondere die digitalen Herausforderungen erfolgreich meistert, drohen ihm in materiell-rechtlicher Hinsicht massive Bedrohungen, die zu tiefen Einschnitten in seine grundsätzliche Verfasstheit und zu wesentlichen Veränderungen seines beruflichen Selbstverständnisses führen könnten. Die EU-Kommission droht damit, die Befugnis zur Rechtsetzung betreffend berufsregulierende Maßnahmen an sich zu ziehen. Die Kommission würde verbindliche Beschlüsse an die Mitgliedstaaten richten, von gesetzlichen Neuregelungen im Bereich des Berufsrechts Abstand zu nehmen oder, falls der Mitgliedstaat sie bereits erlassen haben sollte, wieder aufzuheben. Das wäre letztlich das Ende der beruflichen Selbstverwaltung in Deutschland. Es würde der Vielfalt der steuerberatenden Berufe in Europa nicht gerecht. Die Vorstellungen in den europäischen Mitgliedstaaten, in welchen es rund 1.500 Berufskammern und -verbände gibt, weichen stark voneinander ab. Eine „one-fits-all“-Lösung verstößt gegen das Subsidiaritätsprinzip und gegen die Kompetenzordnung der EU, wonach ausschließlich der EuGH, nicht die EU-Kommission das letzte Wort in Fragen der Gesetzgebung haben soll. Im abgelaufenen Geschäftsjahr hat der Kampf gegen dieses Notifizierungsverfahren alle Kräfte der Berufsorganisationen stark gebunden. Aktuell ist die Entscheidung dazu vertagt worden, so dass noch Hoffnung besteht. 08

Berufspolitische Entwicklungen I Steuerberater-Verband e.V. Köln I Geschäftsbericht 2017/2018 Europäische Vorgaben hatten auch Einfluss auf das Steuerumgehungsbekämpfungsgesetz, das bereits am 24.06.2017 im BGBl. veröffentlicht, jedoch grundsätzlich erst zum 01.01.2018 in Kraft getreten ist. Es stellt in § 3a StBerG klar, dass eine Befugnis ausländischer Dienstleister zur vorübergehenden und gelegentlichen Hilfestellung in Steuersachen auch dann bestehen kann, wenn die Dienstleistung vom Niederlassungsstaat des ausländischen Dienstleisters aus erbracht wird. Der nationale Gesetzgeber plant eine Anzeigepflicht für Steuergestaltungsmodelle. Das würde zu einem schwerwiegenden Eingriff in die verfassungsrechtlich geschützte Verschwiegenheitspflicht und damit in den Kernbereich der Mandantenbeziehung führen. Dieser Eingriff ist nicht erforderlich und völlig unverhältnismäßig, denn 99 % der Mandanten der kleinen und kleinen mittelständischen Praxen sind nicht in kritische Modelle verwickelt. Außerdem wird derjenige, der tatsächlich bereit ist, Steuern zu hinterziehen, sein Treiben mit Sicherheit nicht den Finanzbehörden melden. Er müsste schon seine Absicht der Begehung einer Straftat melden und würde seinen eigenen Versuch im Keim ersticken. Auch die Finanzverwaltung und der Gesetzgeber haben das wohl erkannt. Dennoch „...Meine Mitgliedschaft im Steuerberater-Verband war für meine Berufstätigkeit immer sehr wichtig...“ StBin Margret Krabbe, Bonn scheint es so, als würde der Gesetzgeber seine Anstrengungen erhöhen und weiter übers Ziel hinausschießen, indem er die Berufsangehörigen einzubeziehen und in deren Freiheitsrechte einzugreifen versucht. Erfreulich ist, dass der Berufsstand in seiner praktischen Arbeit weiter an Effizienz gewinnt. Die Anbindung der auf Initiative der Steuerberaterschaft aufgebauten Vollmachtsdatenbank 2.0 an die EDV der Finanzverwaltung ist gelungen. Das Steuerkonto des Mandanten kann entsprechend der Ausstattung der Vollmacht nahezu uneingeschränkt abgerufen werden, so dass bereits hier erhebliche Effizienzgewinne möglich sind. Zudem hat sich der Berufsstand des Themas effizientes Arbeiten und Digitalisierung im Mittelstand angenommen. Hierzu haben in den Bezirken des Verbandes mehrere gemeinsame Veranstaltungen mit der DATEV stattgefunden. Wenn unsere hoch leistungsfähigen Softwareanbieter, z.B. die DATEV oder STOTAX, um nur einige zu nennen, dafür sorgen, dass kaufmännische Prozesse durchgängig und ohne Medienbruch digital funktionieren, dann ist der Berufsstand ideal positioniert und kann optimistisch in die Zukunft schauen. Steuerberater-Verband e.V. Köln Akademie für Steuer- und Wirtschaftsrecht 09

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