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Geschäftsbericht 2018 I 2019

Geschäftsbericht 2018 I 2019

Geschäftsbericht 2018/2019 I Steuerberater-Verband e.V. Köln I Ausblick Berufspolitik Steuerberater-Verband e.V. Köln Akademie für Steuer- und Wirtschaftsrecht Seit Jahren versucht die EU-Kommission die Reglementierung des steuerberatenden Berufs zu verwässern. Sie fordert einen schrankenlosen, vollständig liberalisierten Binnenmarkt, ohne dass auf Qualitätsstandards und Verbraucherschutz eingegangen wird. 2005 wurde ein Vertragsverletzungsverfahren wegen der Steuerberatergebührenverordnung angestrengt, 2017 musste man sich mit dem EU-Dienstleistungspaket auseinandersetzen und nun ist wieder ein Vertragsverletzungsverfahren wegen der Vorbehaltsaufgaben im Steuerberatungsgesetz anhängig. Die Bundesregierung als Beklagte der Vertragsverletzungsverfahren steht hinter dem Berufsstand, weil ihr die Qualitätsstandards bekannt sind und sie den Schutz der Verbraucher in den Vordergrund stellt. Die Europawahlen sind gelaufen, im Herbst soll Ursula von der Leyen das Präsidentenamt übernehmen. Es bleibt zu hoffen, dass unter ihrer Präsidentschaft die ständigen Auseinandersetzungen mit der EU-Kommission um die Freien Berufe in Deutschland zurückgefahren werden. Eine erfreuliche Entwicklung ergibt sich aus dem Entwurf eines „Gesetzes zur weiteren steuerlichen Förderung der Elektromobilität und der Änderung weiterer steuerlicher Vorschriften“, ehemals „Jahressteuergesetz 2019“. Der Gesetzentwurf sieht in Artikel 20 und 21 Änderungen des Steuerberatungsgesetzes vor. Der Berufsstand soll endlich qua Gesetz als Organ der Steuerrechtspflege anerkannt werden. § 32 Abs. 2 StBerG soll demnach wie folgt gefasst werden: „Steuerberater und Steuerbevollmächtigte sind ein unabhängiges Organ der Steuerrechtspflege. Sie bedürfen der Bestellung und sie üben einen Freien Beruf aus. Ihre Tätigkeit ist kein Gewerbe.“ Diese Klarstellung gleicht den steuerberatenden Beruf deutlich dem anwaltlichen Beruf an, so dass unerwünschte Folgen, wie z.B. aufgrund der Whistleblower-Richtlinie künftig unterbleiben. Die Whistleblower-Richtlinie der EG ist ein massiver Eingriff in das gesetzlich vorgegebene Vertrauensverhältnis zwischen Mandant und Steuerberater. Die Whistleblower-Richtlinie bedeutet, dass ein Mitarbeiter einer Steuerberatungskanzlei keine Sanktionen befürchten muss, wenn er Informationen aus dem Mandatsverhältnis preisgibt, auch wenn diese Informationen der Verschwiegenheitspflicht unterliegen. Anwälte fallen nicht in den Anwendungsbereich dieser Richtlinie. Sollte die Änderung des Steuerberatungsgesetzes in Kraft treten, muss hier noch einmal verhandelt werden. Ein weiteres Ziel der Berufspolitik ist eine Anpassung der Ausbildungsordnung für Steuerfachangestellte; die aktuelle Ausbildungsordnung stammt aus dem Jahre 1996. Die Praxisarbeit hat sich inzwischen massiv gewandelt; die Kommunikation mit den Mandanten und die digitalen Prozesse sind in den Mittelpunkt der Ausbildung zu rücken. Im Schulterschluss mit der Bundessteuerberaterkammer hofft der Berufsstand in den nächsten zwölf Monaten die Ausbildungsordnung zu reformieren, so dass der Ausbildungsjahrgang 2021 davon bereits profitieren kann. 86

Ausblick I Steuerberater-Verband e.V. Köln I Geschäftsbericht 2018/2019 Verbandspolitik Auch im zurückliegenden Berichtszeitraum hat sich der Verband in einem immer schwieriger werdenden Umfeld mit Erfolg behauptet: obwohl sich der Zugang zum Berufsstand im Vergleich zu den zurückliegenden Jahren spürbar verlangsamt hat, konnte der Verband seine Mitgliederzahl nicht nur halten, sondern sogar erhöhen. Dies ist in der heutigen Zeit nicht mehr selbstverständlich, was sich auch aus dem Vergleich mit anderen Kollegialverbänden im Deutschen Steuerberaterverband ergibt. Die Mitgliederzahl ist nach wie vor in der Politik und Öffentlichkeit ein Maßstab der Stärke und Bedeutung einer Organisation, der die entsprechende Aufmerksamkeit entgegen zu bringen ist. Den Mitgliederbestand zu bewahren, die Mitgliederbindung zu stärken und neue Mitglieder von der Verbandsgemeinschaft zu überzeugen, bleiben auch in Zukunft die wichtigsten Ziele der Verbandsarbeit. Um Mitglieder zu gewinnen, bedarf es einer überzeugenden Argumentation und auch eines umfassenden Leistungsangebotes. Der Verband steht hier in einer gewissen Konkurrenz zur öffentlich-rechtlichen Kammer, aber auch zu privatrechtlichen Organisationen. Das Verbandsangebot muss deutlich über dem der konkurrierenden Institutionen liegen. Der Gesetzgeber macht es dem Verband nicht einfacher, diese Ziele zu verfolgen: die Umsetzung der Datenschutzgrundverordnung hat doch zu vielen Irritationen geführt und die Zusammenarbeit mit anderen berufsständischen Organisationen nicht gerade einfacher gemacht. Kollegenschaft ist anhaltend, auch der großflächige Einkauf von Steuerberatungskanzleien durch große Player im Steuerberatungsmarkt sowie die Zurückhaltung von vielen, vor allem jüngeren Berufsangehörigen, in die Selbständigkeit zu streben, sind Fakten, die bei der Mitgliedergewinnung zu berücksichtigen sind. Hierfür hat der Verband ein breites Instrumentarium geschaffen, dessen Grundlage im Wesentlichen die Kollegialität und der Erfahrungsaustausch ist. Die Bezirke haben ihre Aktivitäten spürbar ausgeweitet und werden dies als Basis einer erfolgreichen Zusammenarbeit auch in Zukunft fortsetzen. Über die Bezirke werden auch die Kontakte zur Finanzverwaltung gepflegt, um die Arbeit in den Kanzleien zu erleichtern. In zahlreichen Arbeitskreise wird der berufliche Erfahrungsaustausch gefördert. Eine besondere Bedeutung für die Verbandsarbeit hat die Interessenvertretung gegenüber der Politik. Es besteht ein dichtes Netzwerk von Kontakten nicht nur auf Landes-, sondern auch auf Bundesebene. Hier ist es sehr hilfreich, dass der Präsident unseres Verbandes auch das Amt des Präsidenten des Deutschen Steuerberaterverbandes ausübt. Die Pflege dieser Kontakte bleibt ein wesentliches Ziel der Verbandsarbeit. Am 12. November 1947 wurde der Verband, vor über 70 Jahren, gegründet. Der steuerberatende Beruf hat in dieser Zeit viele Veränderungen erfahren. Die Mitglieder konnten immer sicher sein, dass der Verband an ihrer Seite stand. Diesen Zielen, Versteher und Vertreter seiner Mitglieder zu sein, fühlt sich der Verband auch in Zukunft verpflichtet; unter seinem Motto: Steuerberater-Verband e.V. Köln Akademie für Steuer- und Wirtschaftsrecht Hinzu kommen die allgemeinen berufspolitischen Veränderungen: die Tendenz zu Zusammenschlüssen in der „Jung, dynamisch, zukunftsorientiert“ 87

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