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VerbandsNachrichten 2 I 2017

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VerbandsNachrichten 2 I 2017

VerbandsNachrichten 2/2017 I Sonstige Berufspolitik Qualifikation und Qualität als gemeinsame Werte Europas erhalten Wirtschaftspolitisches Frühstück zur europäischen Deregulierung bei Freien Berufen Auf Einladung von Sabine Poschmann MdB, Mittelstandsbeauftragte der SPD-Bundestagsfraktion, Bundeszahnärztekammer (BZÄK) und BFB fand am 28.03.2017 ein wirtschaftspolitisches Frühstück unter dem Titel „Europäische Deregulierung bei Freien Berufen – Auswirkungen auf nationale Kompetenzen sowie den Verbraucher- und Patientenschutz” in der Deutschen Parlamentarischen Gesellschaft in Berlin statt. Der Einladung waren unter anderem die Bundestagsabgeordneten Heike Baehrens (SPD), Rudolf Henke (CDU/CSU) und Iris Eberl (CDU/CSU) gefolgt. Die Freien Berufe vertraten Dr. Peter Engel, BFB-Vizepräsident und BZÄK-Präsident, Prof. Dr. Wolfgang Ewer, BFB-Vizepräsident und Präsidiumsmitglied des Deutschen Anwaltvereins, und BFB-Hauptgeschäftsführerin Dr. Stephanie Bauer. Im Fokus des Austausches stand das Dienstleistungspaket der Europäischen Kommission vom 10.01.2017. Das Paket enthält weitreichende Vorschläge zur Weiterentwicklung des Binnenmarktes für Dienstleistungen, darunter eine „Dienstleistungskarte“, die Dienstleistungen im Ausland erleichtern soll, sowie Vorschläge zur Prüfung der Verhältnismäßigkeit von Berufsregulierung und ausdifferenzierte Notifizierungspflichten der Mitgliedstaaten an die EU-Kommission. Deutschland und andere Mitgliedstaaten kritisieren die Vorschläge als inhaltlich ungeeignet; zudem bedeuten sie einen Eingriff in die Souveränität der Mitgliedstaaten. Zu weiten Teilen des Paketes haben deshalb inzwischen sowohl der Bundesrat als auch der Deutsche Bundestag Subsidiaritätsrügen ausgesprochen. „Auf dem Weg zu einem einheitlichen Binnenmarkt dürfen unsere hohen Qualitätsstandards bei Dienstleistungen zugunsten der Verbraucher nicht gefährdet werden.“ Sabine Poschmann MdB Für Sabine Poschmann MdB, die die Subsidiaritätsrüge des Deutschen Bundestages maßgeblich mit auf den Weg gebracht hat, steht fest: „Auf dem Weg zu einem einheitlichen Binnenmarkt dürfen unsere hohen Qualitätsstandards bei Dienstleistungen zugunsten der Verbraucher nicht gefährdet werden.“ Der EU-Kommission fehle hier eine differenzierte Sichtweise auf die Freien Berufe. „Mit dem Dienstleistungspaket soll uns das Herkunftslandprinzip für Dienstleistungen durch die Hintertür aufoktroyiert werden. Das ist grundfalsch, weil es ausschließlich zu weniger Qualität führt.“ Prof. Dr. Wolfgang Ewer Prof. Dr. Wolfgang Ewer wies auf die Gemeinwohlorientierung freiberuflicher Leistungen hin und unterstrich den hohen Qualitätsanspruch der Freien Berufe. Der Einstieg in einen Billigwettbewerb sei dezidiert abzulehnen. „Mit dem Dienstleistungspaket soll uns das Herkunftslandprinzip für Dienstleistungen durch die Hintertür aufoktroyiert werden. Das ist grundfalsch, weil es ausschließlich zu weniger Qualität führt.“ „Gegen ein pauschales Agieren der EU-Kommission ohne Beachtung der Besonderheiten einzelner Mitgliedstaaten und Berufsgruppen haben wir große Bedenken.“ Dr. Peter Engel Dr. Peter Engel wies auf die im Bereich der Heilberufe bestehenden Vorgaben der Berufsanerkennungsrichtlinie hin. Eine weitere Verschärfung der Prüfungsmaßstäbe, wie beispielsweise im Richtlinienvorschlag zur Verhältnismäßigkeitsprüfung vorgesehen, sei kontraproduktiv. „Gegen ein pauschales Agieren der EU-Kommission ohne Beachtung der Besonderheiten einzelner Mitgliedstaaten und Berufsgruppen haben wir große Bedenken.“ Die Teilnehmer waren sich einig, dass die Subsidiaritätsrügen des Deutschen Bundestages und des Bundesrates ein starkes politisches Signal sind. Und zwar nicht nur in Richtung der EU-Kommission, sondern auch in Richtung der deutschen Bundesregierung hinsichtlich der weiteren europäischen Beratungen zum Dienstleistungspaket. Der Austausch wird fortgesetzt. (Quelle: www.freie-berufe.de ) 38

Sonstige Berufspolitik I VerbandsNachrichten 2/2017 6,6 % mehr Existenzgründer in Freien Berufen – weniger im gewerblichen Bereich Die Zahl der Existenzgründungen in Deutschland ist laut einer Analyse des Instituts für Mittelstandsforschung IfM Bonn vom 18.04.2017 im Jahr 2016 insgesamt um 2,7 % gesunken. Zugleich zeigt sich, dass sich die gegenläufige Entwicklung zwischen den freiberuflichen Gründungen und den Gründungen im gewerblichen Bereich fortsetzt: Die Anzahl der neuen selbstständigen Freiberufler ist um 5.500 auf 88.800 Personen angestiegen. Im Vergleich zum Jahr 2015 ist dies ein Plus von 6,6 %. Nunmehr machen freiberufliche Gründungen 23,5 % aller Existenzgründungen aus. Bei den gewerblichen Existenzgründungen war demgegenüber ein Rückgang von 5,4 % (auf rund 282.400 Personen) zu verzeichnen. (Quelle: www.freie-berufe.de ) Big Data is Watching You Autor: WP/StB Dipl.Sozw., Dipl.Ök. Armin Heßler, Vizepräsident des Kollegialverbandes Hessen Die Digitalisierung der Welt und damit auch der Steuerkanzlei ist in aller Munde. Doch was bedeutet das eigentlich? Was sind die Treiber hinter der Digitalisierung? Big Data – das Phänomen der großen Datenmasse – ist eine der zentralen Aspekte. Unsere Zukunft wird davon geprägt werden, und bereits gegenwärtig wäre vieles ohne Big Data nicht mehr vorstellbar. Was versteckt sich hinter Big Data? Welchen Stellenwert wird Big Data im Besteuerungsverfahren und in der Bearbeitung der Mandantenaufträge einnehmen? Welche Chancen und Risiken sind mit Big Data verbunden? Antworten finden Sie in diesem Beitrag. Was ist Big Data Als Big Data wird die riesige Menge von Daten verstanden, die wir bewusst oder unbewusst erzeugen (lassen). Dies alleine wäre noch nicht so spektakulär. Erst die Fähigkeit, diese Datenberge in kürzester Zeit zu verarbeiten und daraus verlässliche Schlüsse zu ziehen – Data-Mining genannt – führt zur fundamentalen Bedeutung von Big Data. Am augenfälligsten erleben wir Big Data im Internet, sei es bei der Google-Suche oder beim Online-Shoppen. Die automatische Vervollständigung bei der Google Suche wird aus der Analyse von Milliarden von Sucheingaben gewonnen. Auch für die sekundenschnelle Präsentation von Suchergebnissen ist Big Data verantwortlich. Dafür werden zahlreiche Merkmale von unzähligen Websites als Grundlage für die Auswahl wie auch für die Reihung der Suchergebnisse gewonnen. Der nicht uneigennützige Vorschlag großer Online-Shops, dass andere, die das gleiche Produkt wie „Sie“ erworben haben, auch folgende andere Produkte kauften, ist Ergebnis der Auswertung von einer großen Anzahl von Verkaufsvorgängen. Selbst die für „Sie“ persönlich zugeschnittenen Empfehlungen basieren auf der Auswertung großer Mengen an Daten. Data-Mining ist an der Begriffswelt des Bergbaus angelehnt. Es geht also um das Schürfen von Rohstoffen aus dem großen Datenberg. Zu Tage gefördert werden Erkenntnisse über Kunden, Produkte, Mitarbeiter, Wettbewerber. Auch eigene Geschäftsprozesse können mittels Data-Mining analysiert werden. Die heute allgegenwärtigen Analysesysteme geben nur das aus, was wir als Menschen vorher als Frage formuliert haben. Dagegen sind Data-Mining-Systeme dahingehend programmiert, dass sie selbständig nach Zusammenhängen und Mustern suchen. Der Programmierer teilt dem Data-Mining-Systemen Start und Zielpunkt mit, legt einen Kompass dazu und fügt noch einige allgemeine Geländebeschreibungen bei. Die richtige Spur oder auch mehrere passende Wege müssen die Systeme alleine suchen. Big Data als Wachhund Daten in großen Mengen, die aus unserem Verhalten gewonnen werden, lassen sich selbstverständlich für personenbezogene Überwachungen verwenden. Überwachungssysteme jeder Art sorgen gerade in Deutschland, dem Land der Datenschutzweltmeister, für Unbehagen. Der Titel dieses Artikels zielt zwar auf diesen Reflex ab. Auf den erhobenen Zeigefinger möchte ich jedoch verzichten. Dazu ist bereits viel geschrieben worden. Die Risiken im Zusammenhang mit Big Data sollen damit jedoch nicht negiert werden. Es gibt sehr viele Situationen, in denen wir von Überwachung profitieren. Kreditkartenorganisationen und Banken setzen Big Data basierte Techniken ein, um Unregelmäßigkeiten zu erkennen und Betrug zu verhindern. Ähnliches gilt für sicherheitsbewusste Online-Unternehmen, die missbräuchliche Zugriffe auf Online-Accounts verhindern. Zu diesem Zwecke werden nicht nur die Merkmale der verwendeten Zugangsgeräte, sondern auch die standortbezogenen Daten verwendet. Die Nutzung eines Gerätes in einem Internet-Café in einem fremden Land wird daher als ungewöhnlich erkannt und führt zu weiteren 39

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